Zwei unbekannte Brüllaffenarten im Amazonas-Regenwald entdeckt
Die Natur hält immer noch Überraschungen bereit. So sind im Amazonasgebiet zwei neue Brüllaffenarten ausfindig gemacht worden. Eine Sammlung aus Bayern war dabei für die Forschenden hilfreich.
München (KNA) Ein internationales Forscherteam hat mithilfe von Genanalysen zwei bisher unbekannte Brüllaffenarten im Amazonas-Regenwald entdeckt. Mit dabei war Anneke van Heteren von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns, wie die Institution am Donnerstag in München mitteilte. Die in der Fachzeitschrift "Communications Biology" veröffentlichte Studie kommt demnach zu dem Schluss, dass der größte Tropenwald der Welt eine noch größere Artenvielfalt aufweist, als bisher angenommen.
Die Forschenden der Universität Salford (Vereinigtes Königreich) analysierten den Angaben zufolge für ihre Untersuchung die Genome von elf Brüllaffenarten aus Süd- und Mittelamerika in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern. Bei den neuen Arten handelt es sich um die Pantepui-Brüllaffen Alouatta iroi im nördlichen Amazonasgebiet Brasiliens, Guyanas und Venezuelas sowie um die Mato-Grosso-Brüllaffen Alouatta matogrossensis im brasilianischen Amazonasgebiet südlich des Unterlaufs des Amazonas.
Die Wissenschaftler kombinierten ihre Genomanalysen mit Daten von Sammlungsexemplaren, unter anderem aus Bayern, wie es heißt. So sei die Rekonstruktion der bisher umfassendsten Evolutionsgeschichte der in Mittel- und Südamerika heimischen Brüllaffen gelungen. Die Ergebnisse kommen 85 Jahre nach der Beschreibung der bis dahin letzten Brüllaffenart im Jahr 1941. Sie trügen zum Verständnis bei, wie sich die Primatengattung entwickelt und in der Amazonas-Region ausgebreitet habe.
So fanden die Forschenden heraus, dass große Flüsse wie der Amazonas, der Rio Branco und der Rio Xingu seit Millionen von Jahren als natürliche Barrieren fungierten. Sie verhinderten, dass sich Populationen vermischten, und sich stattdessen Arten entwickelten. Die geografischen Barrieren hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die enorme Artenvielfalt habe entwickeln können. Seit 2000 sind den Angaben zufolge 26 neue Arten im Amazonasbereich entdeckt worden.
Die Co-Autorin der Studie, van Heteren, sagte: "Unsere Arbeit belegt einmal mehr, wie wichtig große wissenschaftliche Sammlungen sind, um den aktuellen Zustand des Lebens auf unserem Planeten beurteilen zu können. Das Leben auf der Erde verändere sich stetig - Sammlungen helfen, diese Veränderungen zu entdecken und zu verstehen."
