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Historiker: Machterhalt war für Gewalt immer ein starkes Motiv

In ihrem BR-Podcast "Tatort Geschichte" behandeln zwei Münchner Historiker seit fünf Jahren Verbrechen von der Antike bis zur Gegenwart. Mit ihren Analysen der "True Crimes" wollen sie für die Gegenwart sensibilisieren.

Das Phänomen der Gewalt zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte. Zu diesem Schluss kommen die Münchner Historiker Niklas Fischer und Hannes Liebrandt von der Ludwig-Maximilians-Universität, wie die zwei dem "Münchner Merkur" sagten. Seit 2021 beschäftigen sie sich in ihrem BR-Podcast "Tatort Geschichte" mit unterschiedlichsten Verbrechen, die über die Jahrhunderte begangen wurden. Dabei reicht das Spektrum von der Giftmörderin Agrippina über die Schreckensherrschaft von Maximilien de Robespierre und die Verbrechen der Nazis bis zur Ermordung des Beatle John Lennon.

"Historische Verbrechen stehen nie nur für sich, sie verraten immer auch etwas über die Gesellschaft ihrer Zeit", erklärte Fischer. Natürlich gebe es einen zivilisatorischen Fortschritt. Menschen schlügen sich heute beim Austragen von Konflikten in der Regel nicht gleich den Schädel ein. "Aber es wäre falsch, zu glauben, dass es nur die dunkle Vergangenheit und die leuchtende Gegenwart gibt."

Liebrandt verwies darauf, dass es heute nicht mehr körperliche Nähe brauche, um jemandem Gewalt anzutun. Menschen würden bei Drohnenangriffen getötet, und übers Internet könne man problemlos andere quälen. "Wer früher von Angesicht zu Angesicht gekämpft hat, ist größere Risiken eingegangen, selbst verletzt oder auf frischer Tat ertappt zu werden."

Macht sei sicherlich immer ein starkes Motiv für Gewalt gewesen, führte Fischer weiter aus. Denn laut Liebrandt war es früher etwas ganz Normales, Gewalt anzuwenden, um sich die Macht auf dem Thron zu sichern. Für die Herrschenden sei Gewalt damals ein legitimes Mittel gewesen, aber es seien stets auch noch andere Faktoren dazugekommen.

Eine Herausforderung sei es, bei zeitlich lang zurückliegenden Taten an Quellen zu kommen, räumte Liebrandt ein. "Wir haben Fälle gewählt, bei denen wir nicht nur auf Sekundärliteratur angewiesen sind, sondern Originalquellen einbinden können." Das gelte auch für ihr jüngst bei dtv erschienenes Buch "Tatort Geschichte. Historische Verbrechen, die bis heute nachwirken". So gelte es zu klären, um welche Uhrzeit das Verbrechen passiert sei und welches Wetter geherrscht habe. "Nur so können wir die Fälle szenisch schildern und unsere Leserschaft mit in die entsprechende Zeit nehmen."

Natürlich wäre es schön, aus der Geschichte zu lernen, räumte Fischer ein. Sie beide wollten aber keine fertigen Urteile liefern, sondern Denkanstöße geben. "Vielleicht hilft das dem einen oder anderen Lesenden, gegenwärtige Konflikte, Krisen und Kriege mit anderen Augen zu betrachten."