Forscher: Michelangelo malte das "Jüngste Gericht" mit Spezial-Pinsel
Es zählt zu den bekanntesten Meisterwerken der Kunstgeschichte: Das "Jüngste Gericht" von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Seine Strahlkraft verdankt das Fresko wohl auch einem besonderen Werkzeug.
Rom (KNA) Neue Erkenntnisse zu einem 500 Jahre alten Meisterwerk: Für das weltbekannte "Jüngste Gericht" in der Sixtinischen Kapelle entwickelte Michelangelo einen kammartigen, mehrzinkigen Pinsel, mit dem er die Farbe praktisch in den Putz "meißelte". So erzielte der berühmte Bildhauer eine plastische Wirkung seiner Malerei, wie die italienische Tageszeitung "La Repubblica" (Montag) berichtet.
Statt klassischer Pinselstriche überkreuzte der Künstler mehrere Striche, "um das Licht auf den Körpern zum Vibrieren zu bringen", erklärte Barbara Jatta, Direktorin der Vatikanischen Museen, über die die Kapelle besichtigt werden kann. Damit gelang es dem Schöpfer der berühmten Skulptur "Pietà" im Petersdom, wie ein Bildhauer zu malen. Die neuen Forschungsergebnisse, während der Restaurierung des "Jüngsten Gerichts" im Frühjahr entdeckt, werden jetzt im Band "Michelangelo 2026" (Edizioni Musei Vaticani) veröffentlicht.
Ebenso wurde bei den Arbeiten, für die ein siebenstöckiges Gerüst errichtet wurde, in der Auferstehungsszene des Freskos ein verstecktes Selbstporträt Michelangelos entdeckt. Dies steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem Vorfall aus dem Jahr 1451, als der Maler vom Gerüst stürzte und sich schwer am Bein verletzte.
Nach seiner Genesung schuf er in den Gewandfalten einer Allegorie des Todes ein skelettiertes Gesicht mit seinen Zügen, das den Betrachter direkt anblickt. Laut den Forschenden handelt es sich um ein "stummes und zugleich sprechendes" Zeugnis eines Künstlers, der sich nach den Qualen der Arbeit wie auferstanden fühlte.
Bei der ersten Restaurierung seit 30 Jahren entfernten 30 Restauratoren innerhalb von einem Monat einen weißen Schleier aus Kalziumlactat, der sich durch die Ausdünstungen von Millionen Besuchern gebildet hatte. Durch die Reinigung kamen wieder die lebendigen Farben und der berühmte Hell-Dunkel-Konstrast von Michelangelos Meisterwerk zum Vorschein.
Michelangelo Buonarotti (1475-1564) schuf das immense Werk, das Christus als Weltenrichter auf eisblauem Hintergrund zeigt, von 1536 bis 1541. In der Sixtinischen Kapelle, unter Sixtus IV. (1471-1484) als Teil des Apostolischen Palastes erbaut, wird auch der Papst gewählt.
