Sozialpsychologe: Ideen für eine Stärkung der Jugend müssen her
Zehntausende junge Menschen sind am Samstag im Rahmen der Proteste "Gen Z regelt" auf die Straße gegangen. Doch letztlich waren es deutlich weniger als erwartet. Ein Konfliktforscher nennt mögliche Gründe.
Bielefeld (KNA) Der Sozialpsychologe Andreas Zick sieht nach den Jugendprotesten am Samstag die Politik in der Pflicht. "Jetzt müssen auch Ideen für eine Stärkung der Jugend her und das auf europäischer wie nationaler Ebene", sagte Zick am Sonntag in Bielefeld der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Politik müsse jungen Menschen ein Gesprächsangebot machen, das nicht pauschal sei.
Die Verantwortlichen müssten den Konflikt um den Generationenvertrag annehmen. Jugendstudien zeigten, dass die finanzielle Selbstständigkeit junger Menschen heute schwierig sei und die Bildungschancen stärker von finanzieller Ungleichheit geprägt seien. Auch die psychosozialen Belastungen seien stärker, politisches Vertrauen und Zuversicht gleichzeitig eingebrochen, auch wenn sich heute junge Menschen mehr als früher für Politik interessierten.
Der Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld sieht die Jugend in der Politik zu wenig vertreten, besonders Jugendliche am Rand der Gesellschaft. "Wenn Politik jetzt wieder nur Gewalt und Aggression im Blick hat und das Thema Sicherheit hochfährt, dann wäre das ein fatales Zeichen."
Es formiere sich eine neue politische Generation, die anders sei und im Moment die politischen Ränder stark mache. "Jugend ist eine Phase, in der junge Menschen ihre Zugehörigkeit und Identität finden sollen. Wenn das nicht mehr funktioniert, dann ist in Demokratien mit Protest zu rechnen", so Zick.
Dass weniger Menschen auf die Straße gingen, als von den Veranstaltern erwartet, führt der Psychologe unter anderem auf die vielen Forderungen von "Gen Z regelt" zurück. Die Themen seien breit und führten zu Konflikten in der Bewegung. "Bewegungen können nur breit mobilisieren, wenn sie eine breite Identifikationsgrundlage bieten", so Zick.
Viele Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern und Menschen aus dem Bildungssystem hätten zudem wegen der befürchteten Ausschreitungen nicht an den Protesten teilgenommen - "weil im Vorfeld klar war, dass der Protest die eigentlich wichtigen Anliegen nicht auf die politische Agenda setzen kann".
