Ukrainische Kirchen rügen Russland-Kurs der USA
Die kremlfreundliche Politik von US-Präsident Trump stößt bei Religionsführern in der Ukraine auf Unverständnis. Sie rufen zu mehr statt weniger Sanktionsdruck auf Russland auf. Trump selbst erwähnen sie aber nicht.
Kiew (KNA) Religionsführer in der Ukraine kritisieren die Nachgiebigkeit der US-Regierung gegenüber Russland. Versuche, die Verantwortung Russlands und der Ukraine in dem Krieg moralisch gleichzusetzen, seien "zutiefst fehlgeleitet", erklärte der Gesamtukrainische Rat der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Kiew. Der "Terrorstaat" Russland sei der Aggressor, die Ukraine hingegen das Opfer dieser Aggression.
Die Religionsvertreter nennen die USA in ihrer Erklärung nicht namentlich und sprechen von "bestimmten westlichen Ländern". Kritik am Kurs der Regierung von US-Präsident Donald Trump wird jedoch dadurch klar, dass der Religionsrat dagegen protestiert, Kreml-Chef Wladimir Putin einen Humanisten zu nennen.
US-Unterhändler Steve Witkoff hatte den russischen Präsidenten bei einem Treffen am Mittwoch in Sankt Petersburg als Menschenfreund gelobt. Die Repräsentanten der Kirchen sowie der jüdischen und muslimischen Gemeinden in der Ukraine betonten dagegen, es sei nicht gerechtfertigt, "den russischen Diktator als Humanisten zu bezeichnen".
Sie begrüßten allerdings "humanitäre Maßnahmen der russischen Führung, wie beispielsweise die Freilassung von Geiseln, die vom Kreml-Regime zu Unrecht inhaftiert worden waren". Trotzdem trage Putin die persönliche Verantwortung "für den gegen die Ukraine und ihre Zivilbevölkerung entfesselten Staatsterror" sowie für die Todesopfer und Zerstörungen durch russische Angriffe, so der Rat der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Russland begehe "vorsätzliche Akte des Terrorismus und des Völkermords".
"Wir sind überzeugt, dass nur eine entschlossene und konsequente Unterstützung der Ukraine das russische Terrorregime stoppen, die weitere Ausbreitung seines Angriffskriegs in Europa und der Welt verhindern und weitere Zerstörungen sowie den Verlust von Menschenleben abwenden kann", so die ukrainischen Religionsführer. Sie wenden sich auch gegen die Aussetzung von US-Sanktionen gegen Russland. Vielmehr sollte der Sanktionsdruck auf russische Politiker, Geschäftsleute, Journalisten und Religionsführer erhöht werden.
Dem Gremium gehören die Spitzen der 16 wichtigsten Glaubensgemeinschaften der Ukraine an. Im laufenden Halbjahr wird es vom Oberhaupt der 2018 gegründeten Orthodoxen Kirche der Ukraine, Metropolit Epiphanius, geleitet. Auch die römisch-katholische Bischofskonferenz der Ukraine veröffentlichte das Statement am Freitag auf ihrer Website.
