• Deutschland DEU
  • Frankreich
  • Konflikte
  • Gesellschaft
Meldung

Forscher: Jugendliche hier ähnlich unzufrieden wie in Frankreich

In Italien und Frankreich protestieren junge Menschen, weil sie sich und ihre Bedürfnisse nicht gesehen fühlen. Für den 31. Oktober sind auch in Deutschland Proteste der Gen Z geplant. Was sind die Gründe?

Die Gründe für die Unzufriedenheit von Jugendlichen in Deutschland ähneln nach Einschätzung eines Jugendforschers denen in Frankreich oder Italien. Marode Schulen und Unterrichtsausfall seien aus ihrer Sicht Symbole dafür, dass die Perspektive von Jugendlichen der Gesellschaft nicht so wichtig sei, sagte Simon Schnetzer der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin.

Junge Menschen fühlten sich etwa belastet durch den teuren Wohnungsmarkt oder die Inflation. Dies gehe bis tief in die Mittelschicht hinein und stärke das Gefühl: "Wir können uns ein gutes Leben nicht mehr leisten", sagte Schnetzer. Für den 31. Oktober hat die Bewegung "Gen Z steht auf" zu Protesten in verschiedenen Städten aufgerufen, darunter Berlin.

"Die Frage ist, wie groß ist das Potenzial, dass die richtig groß werden", so der Forscher. Er hoffe, dass sie friedlich blieben. "Krawall bringt viel Zerstörung, schafft aber wenig Spielraum für Neues."

Ein Ziel müsse grundsätzlich sein, "das Wir-Gefühl zu stärken und zu signalisieren, dass alle zusammen an einem Strang ziehen müssen", sagte Schnetzer weiter. "Dann wäre die Protestmotivation auch geringer." Dieses "Wir" werde allerdings kaum mehr gefördert.

"Junge Menschen kommunizieren sehr früh digital in ihren Blasen, werden wenig dazu angehalten, sich mit anderen, die nicht gleichgesinnt sind, zu beschäftigen." Er plädierte für mehr Diskussion mit jungen Menschen, die aber "nicht von oben herab" stattfinden dürfe. "Etwas, das erheblich dazu beitragen kann, dass aus einem Protest auch Krawall wird: Wenn das Gefühl zu stark wird, wir werden ungerecht behandelt, und das System ist gegen uns", so Schnetzer.

Dazu gehöre auch die Debatte um die Wehrpflicht. "Es hätte weniger Konfliktpotenzial, wenn daraus ein allgemeines Engagement für gemeinsame Ziele werden würde", sagte Schnetzer. Er plädiere deshalb für ein allgemeines gesellschaftliches Pflichtjahr: "Das könnte schon dazu beitragen, das Wir-Gefühl zu stärken, weil es alle Generationen und sowohl Männer als auch Frauen betreffe.

Nach einer von ihm verantworteten Studie befürworten 20 Prozent der 14- bis 29-Jährigen die Wehrpflicht; ein soziales Pflichtjahr können sich 31 Prozent vorstellen.