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Forscherin: Weltweite Leistungskrise bei Jungen - Ursachen unklar

Bildungsstudien zeigen, dass Jungen heute im Schnitt weniger erfolgreich sind als Mädchen. Eine Forscherin erklärt, dass sich das mittlerweile auch in Ländern mit mittleren Einkommen bemerkbar macht. Woran liegt das?

Jungen sind nach Einschätzung einer Forscherin von einer Leistungskrise betroffen: Dieser Bildungsrückstand sei global zu beobachten, erklärte Politikwissenschaftlerin Hania Sobhy bei einem Wissenschaftstalk der "Einstein Center Population Diversity" mit Blick auf unterschiedliche Studien. Dies sei bereits seit den 1990er Jahren in den Industrieländern der OECD zu sehen. Mittlerweile seien auch Länder mit mittelhohen Einkommen betroffen.

Das Lesevermögen sei der Gradmesser für den allgemeinen Bildungsstand, sagte die Forscherin weiter. Die Lesefähigkeit sei aber in allen gesellschaftlichen Schichten zurückgegangen. Besonders schlecht seien die Ergebnisse bei sozial benachteiligten Jungen.

Die Ursachen für das Lese-Desinteresse bei Jungen sowie den Bildungsrückstand seien vermutlich vielfältig; entsprechend gebe es unterschiedliche Theorien zu den Gründen, die aber zur Zeit "alle nicht befriedigend" seien, betonte Sobhy.

So sagten manche Theorien, nach denen dies in geschlechtsspezifischen Unterschieden liege: Die Schule sei eher auf Mädchen zugeschnitten und belohne eher ruhiges Verhalten und Anpassungsfähigkeit. Viele Eltern dächten auch, dass Mädchen im Gegensatz zu Jungen eher über die Fähigkeit verfügten, "die Welt geordnet wahrzunehmen". Studien zeigten allerdings, dass geschlechtergetrennter Unterricht für Jungen nicht gewinnbringend sei; sie profitierten grundsätzlich eher von gemischten Klassen.

Der Bildungsrückstand könne eine Reihe von negativen Folgen haben, warnte die Forscherin. Minderleistungen von Jungen bedeuteten auf lange Sicht wirtschaftliche Einbuße, mehr Gewalt, Kriminalität und mehr psychische Erkrankungen. Auch könne der Bildungsrückstand zu einer Polarisierung der Gesellschaft beitragen; schon heute wählten durchschnittlich mehr junge Männer als junge Frauen rechte Parteien.

Sobhy warb dafür, Jungen gezielter zu unterstützen. So könne etwa mehr Lesestoff bereitgestellt werden, den sie besonders interessant fänden - Texte zu Fußball oder Abenteuergeschichten etwa. Auch könnten mehr Leistungserhebungen für Jungen sinnvoller sein, da sie oft engagierter seien, wenn es um Wettbewerb gehe. Dies sei allerdings wiederum für Mädchen problematischer, da bei ihnen oftmals Versagens- und Prüfungsangst stärker ausgeprägt seien.