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Psychologin: Das Leben insgesamt so nehmen wie den Wetterbericht

60 Prozent Regenwahrscheinlichkeit und grauer Himmel? Manche nehmen dann den Regenschirm mit, andere geben sich optimistisch. Eine Psychologin rät, sich auch sonst mit etwas weniger exakter Planbarkeit zufriedenzugeben.

Mehr Gelassenheit: Um diesem Wunsch näherzukommen, rät eine Psychologin zur Orientierung am Wetter. "Obwohl die Meteorologinnen und Meteorologen über hochkomplexe Modelle und riesige Datenmengen verfügen, treffen ihre Prognosen nicht immer zu", sagte Maja Storch der Zeitschrift "Psychologie Heute" (November-Ausgabe). Meist störe es niemanden, wenn eine Wetterfront einen anderen Verlauf nehme: "Wir akzeptieren, dass Wetterprognosen Wahrscheinlichkeiten sind, und nehmen vorsichtshalber einen Regenschirm mit."

Im alltäglichen Leben sei es oft anders, erklärte die Forscherin: "Da wünschen wir uns eine Genauigkeit, die es gar nicht geben kann." Theoretisch wüssten die meisten Menschen, "dass das Leben nicht vollständig planbar ist, und trotzdem verhalten wir uns oft so, als müsste es berechenbar sein. Wenn dann etwas anders läuft als erwartet, empfinden wir das als Störung oder Scheitern."

Eine wichtige Frage sei, worauf man Einfluss habe, sagte Storch. "Manche Menschen sind Opfer schwieriger Umstände. Doch manche laden sich auch zu viele große Lebensprojekte gleichzeitig auf. Da wäre es schon angebracht, mal einen Schritt zurückzutreten und sich zu fragen, ob das wirklich alles gleichzeitig sein muss. Mehr Einfluss auf unser Leben haben wir oft eher dort, wo wir unsere eigenen Entscheidungen überprüfen als dort, wo wir versuchen, äußere Einflüsse zu kontrollieren".

Solche Situationen lassen sich laut der Expertin nicht allein durch Nachdenken auflösen: "In Krisen kreisen Menschen oft immer wieder um dieselben Gedanken." Hilfreicher sei, sich auf positive Momente und kleine Fortschritte zu fokussieren - und dem Gehirn neue Erfahrungen zu ermöglichen.

Storch vergleicht diesen Prozess mit Gefängnisausbrüchen in Filmen: "Da kratzt jemand jahrelang mit einem Teelöffel an einer Gefängnismauer. Es geht nur langsam voran, aber irgendwann gibt es einen Tunnel". Ähnlich verlaufe die Veränderung von psychischen Mustern.