Expertin: Viele junge Menschen kennen Risiken von KI
Kinder und Jugendliche wachsen heute ganz selbstverständlich mit Künstlicher Intelligenz auf. Das macht vielen Eltern vor allem Sorge. Eine Expertin erklärt, worauf sie achten können - und wo auch Chancen liegen.
Weinheim (KNA) Künstliche Intelligenz (KI) als Sparringspartner: Zu dieser Haltung rät eine Bildungswissenschaftlerin. "KI bietet unglaublich viele Chancen, sich individuell unterstützen zu lassen, wenn man etwas nicht verstanden hat", sagte Filiz Tokat im Interview der Zeitschrift "Psychologie Heute" (November-Ausgabe). Sie ist Bildungsreferentin mit Schwerpunkt Medienbildung beim Stadtjugendring Stuttgart.
Viele Kinder und Jugendliche nutzen nach ihrer Beobachtung Chatbots wie ChatGPT, lassen sich beispielsweise "beim Lernen unterstützen, sie fassen damit Texte zusammen. Natürlich lassen sich einige von ihm auch die Hausaufgaben machen." Diese Nutzung sei nicht sinnvoll, im Gegensatz dazu, sich etwa Stoff so aufbereiten zu lassen, dass man ihn gut verstehe: "zum Beispiel als Podcast oder in Form einer Infografik", erklärte Tokat. Auch dies sei nur dann hilfreich, wenn man Fehlangaben der KI erkennen kann.
Die Expertin hört von jungen Leuten demnach häufig Sätze wie: "'Jetzt habe ich mir schon wieder meine Hausaufgaben von ChatGPT machen lassen', im Sinne von: 'Jetzt habe ich schon wieder nichts gelernt.'" Viele "wissen ganz genau, dass es Risiken mit sich bringt, wenn man Künstliche Intelligenz für alles Mögliche nutzt." Umfragen bestätigten dies. Bei Social Media sei es ähnlich: "Auf der einen Seite wissen junge Menschen, dass ihnen Smartphones nicht nur guttun. Trotzdem geht die Nutzungszeit seit Jahren nach oben."
Bei Erwachsenen sehe es nicht anders aus, fügte Tokat hinzu. Insofern sei ein kritischer Umgang mit Quellen unabdingbar. Für gesundes Wachstum wirbt sie zudem für "analoge Erfahrungen - im Wald, beim Sport, mit echten Menschen".
Eltern rät die Medienpädagogin, darauf zu achten, wofür Sohn oder Tochter eine KI-Anwendung nutzen. "Wenn ein Kind in seinem Umfeld immer nur Kontra bekommt oder vielleicht keine anderen Gesprächspartnerinnen hat, besteht die Gefahr, dass es Trost in einer technischen Anwendung sucht - was natürlich schlimm wäre. Aber dann muss man nicht nur auf die KI, sondern vor allem auf das Umfeld schauen."
Angebote gemeinsam zu testen, könne auch Spaß machen: Und mit den eigenen Kindern habe man oft kleine Fachleute zu Hause sitzen.
