Kirchenhistoriker lobt offenen Umgang Leos XIV. mit Krankheit
Ein Papst muss seine Krankheit nicht verbergen, um Stärke zu zeigen. Kirchenhistoriker Jörg Ernesti hält einen offenen Umgang mit gesundheitlichen Problemen für wichtig - auch mit Blick auf die Erkrankung von Leo XIV.
Bonn (KNA) Ein offener Umgang mit Krankheit kann die Glaubwürdigkeit eines Papstes stärken. Das sagt der Augsburger Kirchenhistoriker Jörg Ernesti mit Blick auf die Erkrankung von Papst Leo XIV. auf Anfrage. Dass das katholische Kirchenoberhaupt offen und unaufgeregt über seine bevorstehende Operation gesprochen habe, sei positiv. Auch die große Anteilnahme der Gläubigen führt Ernesti darauf zurück.
Früher sei über die Gesundheit eines Papstes meist wenig offiziell bekannt geworden. "In früheren Zeiten gab es keine offiziellen Berichte über die Krankheiten eines Papstes, allenfalls Gerüchte, die in der Stadt Rom umgingen", so der Historiker. Ein eigenes Presseamt des Vatikans gibt es erst seit 1966.
Allerdings seien auch die heutigen medizinischen Mitteilungen mit Vorsicht zu betrachten. Während der letzten Krankheit von Papst Franziskus habe er den offiziellen Bulletins misstraut, sagt Ernesti. Rückblickend habe sich gezeigt, dass es um Franziskus zeitweise deutlich schlechter gestanden habe, als der Vatikan eingeräumt habe. Die jüngsten Päpste seien nach seiner Einschätzung selbst transparenter mit ihren Erkrankungen umgegangen als die Verantwortlichen für die Pressekommunikation.
Als Beispiel für einen offenen Umgang mit Gebrechlichkeit nennt Ernesti den 2005 verstorbenen Papst Johannes Paul II. Der Papst habe seine Krankheit nicht verborgen und damit die Würde des menschlichen Lebens bis zum Ende sichtbar gemacht. "Glaubwürdigkeit ist heute für jeden, der in der Öffentlichkeit steht, ein hohes Gut - besonders sicher für einen Kirchenmann", sagt der Historiker.
