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Trauernde Eltern: "Die Liebe hängt nicht von der Lebensdauer ab"

2.857 Totgeburten wurden 2025 in Deutschland registriert, frühe Fehlgeburten nicht mitgerechnet. Zum Gedenktag für Sternenkinder erinnert eine Expertin daran, dass auch ein sehr kurzes Leben tiefe Spuren hinterlässt.

Jedes Jahr verlieren in Deutschland Tausende Frauen ihr Kind während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz danach. Die Trauer der Eltern werde häufig unterschätzt, meinen Experten. "Besonders belastend ist, wenn der Verlust gesellschaftlich verharmlost oder verschwiegen wird", sagte Romy Kieselbach, Leiterin der Geschäftsstelle des Bundesverbands Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland (VEID) mit Sitz in Leipzig, im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch. Anlass ist der Internationale Gedenktag für Sternenkinder am Donnerstag (15. Oktober).

2025 wurden in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 2.857 Totgeburten registriert. Frühe Fehlgeburten sind in dieser Zahl nicht enthalten. Auch die Zahl der im ersten Lebensjahr verstorbenen Kinder wird gesondert erfasst.

Ein verbreitetes Missverständnis sei, dass die Trauer weniger schwer wiege, wenn ein Kind sehr früh in der Schwangerschaft stirbt, sagte Kieselbach. Aussagen wie "Ihr seid noch jung, ihr könnt ja noch ein Kind bekommen" könnten Eltern tief verletzen. "Die Liebe zu einem Kind und die Trauer um seinen Verlust hängen nicht davon ab, wie lange es gelebt hat", so Kieselbach.

Wenn ein Kind stirbt, ende nicht nur ein junges Leben, sondern auch eine gemeinsame Zukunft voller Hoffnungen und Vorstellungen. Bei sogenannten Sternenkindern fehlten häufig gemeinsame Erinnerungen. Zudem trauerten Eltern um einen Menschen, den ihr Umfeld möglicherweise nie kennengelernt habe. Schuldgefühle, Einsamkeit und das Gefühl, mit der eigenen Trauer nicht wahrgenommen zu werden, könnten die Situation zusätzlich erschweren.

VEID begleitet nach eigenen Angaben bundesweit verwaiste Eltern und Angehörige. Eine genaue Zahl der jährlich durch seine Mitglieder begleiteten Familien mit sogenannten Sternenkindern könne der Verband nicht nennen, da diese Zahlen nicht dokumentiert würden. Betroffene könnten sich an spezialisierte Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, Trauerbegleiter sowie Vereine und Kliniken wenden.

Im Mittelpunkt der Unterstützung stünden Zuhören, Verständnis und die Anerkennung der Trauer. "Es geht nicht darum, das Kind zu vergessen oder die Trauer möglichst schnell zu überwinden, sondern darum, mit dem Verlust leben zu lernen und dem Kind einen bleibenden Platz im eigenen Leben zu geben", sagte Kieselbach.

Auch bei der Bestattung gebe es Möglichkeiten, Abschied zu nehmen. Eltern könnten in Deutschland grundsätzlich auch sehr früh verstorbene Kinder bestatten lassen; die gesetzlichen Regelungen unterschieden sich jedoch je nach Bundesland. "Jedes Kind verdient einen würdevollen Abschied - unabhängig davon, wie kurz sein Leben war", sagte Kieselbach.

Zwar werde heute offener über Fehl- und Totgeburten gesprochen als noch vor einigen Jahren. Viele Eltern erlebten aber weiterhin Unverständnis und Sprachlosigkeit. Es brauche mehr gesellschaftliche Anerkennung dafür, dass auch ein sehr kurzes Leben tiefe Spuren hinterlasse.