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"Netzlehrer" Bob Blume warnt vor Überlastung der Schulen

Die Aufgaben wachsen, die Mittel nicht: Lehrer und Autor Bob Blume beklagt, dass Schulen immer mehr gesellschaftliche Probleme lösen sollen. Auch bei Hausaufgaben und Schulnoten sieht der Pädagoge Änderungsbedarf.

Der als "Netzlehrer" bekannte Lehrer und Autor Bob Blume kritisiert eine zunehmende Überlastung der Schulen mit gesellschaftlichen Aufgaben. "Medienbildung, Demokratiebildung, Inklusion, Sprachförderung, KI - jede gesellschaftliche Baustelle landet irgendwann im Klassenzimmer", sagte der 44-Jährige der "Aachener Kirchenzeitung". Die Aufgaben kämen hinzu, ohne dass zugleich Zeit oder Personal mitwüchsen.

"Lehrkräfte sollen Fachleute, Sozialarbeiter, IT-Administratoren und Verwaltungskräfte zugleich sein." Das führe zu einem Dauer-Improvisationsmodus, so Blume. Schule muss aus seiner Sicht mehr leisten als die Vorbereitung künftiger Fachkräfte. Sie solle junge Menschen dazu befähigen, urteilsfähig und handlungsfähig in einer Demokratie zu sein.

Als ein grundlegendes Problem des deutschen Bildungssystems bezeichnete der Pädagoge die starke Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft. Er plädierte dafür, stärker in Kitas, Grundschulen und Sprachförderung zu investieren. Zudem brauche es multiprofessionelle Teams mit Sozialarbeit, Schulpsychologie und technischem Personal.

Kritisch äußerte sich Blume auch zu klassischen Hausaufgaben und zur Dominanz von Schulnoten. Hausaufgaben verlagerten das Lernen dorthin, wo die Voraussetzungen besonders ungleich seien. Noten belohnten zudem eher das Ergebnis als den Lernweg. Blume sprach sich deshalb dafür aus, das Lernen stärker in die Schule zu verlagern.

Beim Einsatz Künstlicher Intelligenz warnte Blume davor, Denkarbeit vollständig an Chatbots abzugeben. Schüler müssten selbst über Wissen verfügen, um Antworten von KI beurteilen zu können. Entscheidend sei, KI als Hilfsmittel und nicht als Ersatz für eigenes Lernen einzusetzen.

Blume unterrichtete 15 Jahre Deutsch, Englisch und Geschichte - zuletzt als Oberstudienrat an einem Gymnasium in Baden-Württemberg. Derzeit ist er vom Schuldienst beurlaubt und promoviert in Erziehungswissenschaften.