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Jahresbericht: Bibliotheken sind beliebt, aber unterfinanziert

Ob Leseförderung, digitale Beratung oder Begegnung: Bibliotheken erfüllen wichtige Aufgaben für Einzelne und die Gesellschaft. Doch steigende Anforderungen treffen auf knappe Budgets - und auf Druck von außen.

Sie bieten Bücher und Begegnungen: Bibliotheken in Deutschland haben 2025 mehr als 188 Millionen Besuche verzeichnet. Das teilte der Deutsche Bibliotheksverband mit - und fordert zugleich eine verlässliche Finanzierung und stärkere Anerkennung dieser gesellschaftlichen Bedeutung.

Laut der Publikation "Bibliotheken 2026" gibt es hierzulande mehr als 8.600 öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken. Allein die öffentlichen Bibliotheken organisierten 2025 demnach mehr als 448.000 Veranstaltungen, Führungen und Ausstellungen. Dazu kämen Angebote zur Leseförderung, Medienbildung und digitalen Beratung.

In Zeiten sinkender Lesefähigkeit, Desinformation und fehlender digitaler Kompetenz müsse die Bibliothek dringend gestärkt werden, heißt es. "Bibliotheken sind Teil der Daseinsvorsorge - sie sind Konstanten, auf die sich die Menschen beim Zugang zu Informationen und Medien verlassen können", sagte Holger Krimmer, Geschäftsführer des Bibliothekenverbands. Daher begrüßt der Verband die geplante Möglichkeit, öffentliche Bibliotheken ab dem neuen Jahr zusätzlich am Sonntag zu öffnen.

Auch als Orte gegen Einsamkeit will der Verband Bibliotheken stärker berücksichtigt wissen. Sie ermöglichten Begegnungen ohne Konsumzwang und böten die Möglichkeit, sich in Gesellschaft anderer aufzuhalten, ohne mögliche Einsamkeit offenlegen zu müssen. Im November wollen der Verband und das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit dem Aktionsmonat "Gemeinsam in der Bibliothek" auf diese Funktion aufmerksam machen.

Weiter erklärt der Fachverband, dass die steigende Nachfrage und die wachsenden Aufgaben wegen mangelnder finanzieller Ausstattung kaum noch gestemmt werden könnten. Einer Umfrage des Bibliotheksverbands unter 1.385 öffentlichen Bibliotheken zufolge standen 24 Prozent von ihnen im laufenden Jahr unter einer Haushaltssperre. Bei 46 Prozent wurden Sparmaßnahmen bereits umgesetzt oder waren geplant. Bei 60 Prozent stagnierte das Gesamtbudget, bei weiteren 27 Prozent sank es.

Zudem macht dem Verband ebenfalls Sorge, dass die fachliche Unabhängigkeit von Bibliotheken in jüngster Zeit zunehmend in Frage gestellt werde. Es sei zu direkten Anfeindungen, Zerstörungen von Medien oder zu Störungen von Veranstaltungen gekommen. Daher verlangt der Fachverband eine politische Bestätigung seiner fachlich unabhängigen Bildungsarbeit.