Hilfsorganisationen: Gaza-Waffenruhe bleibt weitgehend wirkungslos
Ein Jahr nach Beginn der Waffenruhe leiden die Menschen in Gaza weiter unter Tod, Hunger und Zerstörung. Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen fordern ein Ende der Gewalt und mehr Hilfe. Und appellieren an Regierungen.
Gaza (KNA) Ein Jahr nach Vereinbarung einer Waffenruhe im Gazastreifen haben mehr als 100 humanitäre Organisationen und Menschenrechtsgruppen anhaltende Gewalt durch Israel und eine katastrophale Versorgungslage kritisiert. Die Waffenruhe existiere weitgehend nur auf dem Papier, erklärten die Organisationen laut einer Mitteilung von Save the Children am Freitag. Israelische Angriffe und Beschränkungen bei Hilfslieferungen und Wiederaufbaumaterialien verhinderten eine Erholung der Bevölkerung.
Seit Beginn der Waffenruhe seien nach Angaben des Gesundheitsministeriums, das der Terrororganisation Hamas untersteht, in Gaza mehr als 1.400 Palästinenser getötet worden, darunter mindestens 327 Kinder. Mehr als 5.000 Menschen seien verletzt und hunderte Leichen aus den Trümmern geborgen worden; viele weitere Menschen würden noch vermisst.
Inger Ashing, Geschäftsführerin von Save the Children, sagte: "Ein Waffenstillstand ist bedeutungslos, wenn weiterhin Kinder getötet werden und Familien nicht in der Lage sind, ihr Leben wiederaufzubauen." Die Regierungen, die hinter der Waffenruhe stünden, müssten ihren Einfluss geltend machen, um das Töten zu beenden und Kindern den Zugang zu Nahrung, Gesundheitsversorgung und Bildung zu ermöglichen.
Auch der Generalsekretär des Norwegischen Flüchtlingsrats, Jan Egeland, rief internationale Regierungen zum Handeln auf. "Es ist zutiefst beschämend, dass sich ein ganzes Jahr nach Unterzeichnung der Waffenruhe so wenig für die Palästinenser verbessert hat."
Nach Angaben der Organisationen sind mehr als 80 Prozent der Gebäude im Gazastreifen beschädigt, rund zwei Drittel vollständig zerstört. Hunderttausende Menschen lebten weiterhin in Zelten, provisorischen Unterkünften oder beschädigten Häusern. Angesichts des nahenden Winters drohten Kälte, Regen und Überschwemmungen die Lage weiter zu verschärfen.
Auch die medizinische Versorgung sei massiv eingeschränkt. Keines der 36 Krankenhäuser im Gazastreifen ist den Angaben zufolge vollständig funktionsfähig. Mehr als 18.500 Patienten, darunter mindestens 4.000 Kinder, benötigten eine medizinische Evakuierung. Zudem seien 1,4 Millionen Menschen von Hunger bedroht.
Die internationale Gemeinschaft dürfe sich nicht mit einer Vereinbarung auf dem Papier zufriedengeben, erklärten die Organisationen. Eine Waffenruhe müsse den Menschen tatsächlich Sicherheit und die Möglichkeit geben, ihr Leben wieder aufzubauen.
