KI-Firmen kaufen deutsche Antiquariate leer - Verband schlägt Alarm
Sammler und Liebhaber finden in Antiquariaten jede Menge alter Bücher und Raritäten. In letzter Zeit gibt es allerdings eine signifikante Veränderung in der Kundschaft, wie der Verband Deutscher Antiquare feststellt.
Bonn (KNA) Die großen KI-Firmen aus den USA kaufen weiter alte Bücher in großem Stil aus deutschen Antiquariaten auf. "Da gibt es Antiquare, die in wenigen Wochen mit Massenverkäufen 10.000, 20.000, ja 50.000 Euro ad hoc umgesetzt haben", sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbands Deutscher Antiquare, Markus Brandis, am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
In den USA beriefen sich die Firmen auf das "Fair use principle", erläuterte Brandis. Dieses Prinzip erlaube Vervielfältigungen eines urheberrechtlich geschützten Werks, wenn dies beispielsweise der freien Meinungsäußerung oder der Bildung dient.
Größtenteils handle es sich bei den Käufen um Fachbücher und Ratgeberliteratur, sagte Brandis. In letzter Zeit hätten die Anfragen aus den USA auch vermehrt auf fremdsprachige Bücher abgezielt.
In der Öffentlichkeit sei das Problem kaum bekannt, so der Verbandschef weiter. Auch gebe es keine Initiativen auf politischer Ebene, um die Rechte von Urhebern besser zu schützen. In Europa gilt das "Fair use principle" nicht; geistiges Eigentum ist generell in analogen, aber auch in digitalen Büchern, deren Autoren entweder noch leben oder deren Ableben noch nicht 70 Jahre her ist, vom Urheberrecht geschützt, wie der Fachmann betonte.
Inzwischen sehe er jedoch so gut wie keine Chance mehr, den Ausverkauf menschlicher Schöpfung und menschlichen Wissens an die Künstliche Intelligenz zu stoppen, fügte Brandis hinzu: "Der Zug ist abgefahren."
Der 1949 gegründete Verband Deutscher Antiquare vertritt die Interessen von rund 200 Mitgliedern.
