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Forscher: Hoffen und Handeln - Unternehmen könnten von Kirchen lernen

Arbeit wird manchmal als "letzte Religion" beschrieben. Ein Experte hält das für keinen guten Weg. Er wirbt dafür, der Arbeit einen angemessenen Platz im Leben zu geben - und von religiösen Fähigkeiten zu lernen.

Kleine Riten für mehr Hoffnung im Alltag: In dieser Hinsicht könnten Unternehmen nach Worten eines Arbeitsforschers von den Kirchen lernen. "Hoffen und Handeln bilden einen Kreislauf", sagte Hans Rusinek der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Sein Buch "Reclaim Work" ist soeben erschienen. Verbreitet sei die Vorstellung von Hoffnung als eine Art Bus, "auf den man wartet, irgendwann einsteigt und irgendwo hinfährt". Dabei brauche Hoffnung kleine Veränderungen und Aktionen.

Ein Beispiel in der Arbeitswelt könnte für den Autor sein, etwas Neues auszuprobieren, etwa: "Ich blocke mir zwei Stunden, um konzentriert zu arbeiten." Aus solch einem Musterbruch könne das Gefühl von Wirksamkeit wachsen - ebenso wie für religiöse Menschen aus einem Gottesdienstbesuch oder dem Einhalten bestimmter Gebote. "Gläubige Menschen warten ja auch nicht einfach auf den Messias oder das himmlische Jerusalem", sagte Rusinek. "In den Religionen wird Hoffnung gelebt und am Leben erhalten."

Hoffnung sei eine Fähigkeit, die sich trainieren lasse, sagte der Experte weiter. "Aber wir können sie nicht allein entwickeln. Dafür brauchen wir die Möglichkeiten und Ressourcen." Das unterscheide Hoffnung vom Optimismus: Optimisten blickten mit der Gewissheit in die Zukunft, "dass alles super wird. Dabei kann es keine Gewissheit über die Zukunft geben, denn die Zukunft ist unfertig."

In seinem Buch beschreibt Rusinek die Arbeit auch als "letzte Religion". Dies sei durchaus kritisch gemeint: "Es ist wichtig, verschiedene Sinnquellen im Leben zu haben. Wenn Menschen sich restlos in der Arbeit verwirklichen wollen und darin ihr Heil suchen, machen sie sich sehr abhängig."

Das andere Extrem seien Menschen, die nur arbeiten gehen, um Geld zu verdienen, und ihr "psychologisches Einkommen" allein in der Freizeit verdienten. "Das macht die Arbeit zu klein. Wir verbringen zu viel Zeit mit ihr, um sie nur abzusitzen." Es brauche also eine Balance aus Engagement und Abstand.