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Ohne Insekten keine Karotten - Studie: Bestäuber für Saatgut nötig

Eine neue Studie unterstreicht den Wert von Insekten als Bestäuber für Gemüse- und Futterpflanzen. Sie sorgen bei vielen Kulturpflanzen dafür, dass es überhaupt eine nächste Aussaat geben kann. Und damit: Lebensmittel.

Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten sichern durch die Bestäubung von landwirtschaftlichen Nutzpflanzen viele Lebensmittel. Der weltweite Rückgang von Bestäubern könnte einer neuen Studie zufolge deshalb dramatischere Folgen haben als bisher angenommen.

Denn viele Gemüse- und Futterpflanzen seien auf Insekten und andere tierische Bestäuber angewiesen, um überhaupt Samen zu bilden. Bestäuber sorgten bei diesen Kulturpflanzen dafür, "dass es überhaupt eine nächste Aussaat geben kann", heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Untersuchung der Universität Hohenheim in Stuttgart.

Produzieren Pflanzen aufgrund fehlender Bestäuber weniger oder schlechteres Saatgut, könne dies die Aussaat und damit die landwirtschaftliche Produktion der folgenden Jahre beeinträchtigen, so Studien-Erstautor Falk Krumbe. "Gehen die Bestäuber zurück, können die Folgen über ein einzelnes Erntejahr hinausreichen."

Bei der Bedeutung von Bestäubern für die Landwirtschaft denken viele Menschen zuerst an die Produktion von Früchten wie Äpfeln oder Erdbeeren. Doch Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten seien bei weitaus mehr Kulturpflanzen als Bestäuber für die Produktion des Saatguts notwendig.

Anschaulich werde dies bei der Karotte. Für die Bildung der essbaren Wurzel benötige die Pflanze zwar keine Insekten, die die Blüten bestäuben. Um jedoch Samen für die nächste Aussaat zu erhalten, sei eine Bestäubung unbedingt erforderlich. Solche Zusammenhänge gebe es bei zahlreichen Pflanzen-Kulturen. Auch wichtige Futterpflanzen wie Luzerne und verschiedene Kleearten hingen stark von einer Bestäubung durch Insekten ab.

Auch die wirtschaftliche Bedeutung sei nicht zu unterschätzen, betont Mitautor Arndt Feuerbacher. In einer Modellrechnung für den deutschen Agrarsektor schätzen die Forscher den Wert der "jährlichen Bestäubungsleistungen" in den Jahren 2018 bis 2020 auf durchschnittlich 2,3 Milliarden Euro. Berücksichtige man zusätzlich jedoch die Saatgutproduktion, steige dieser Wert auf 3,1 Milliarden Euro pro Jahr. Das sei ein Plus von rund 33 Prozent. Dieser wirtschaftliche Mehrwert entstehe vor allem bei Gemüse- und Futterpflanzen.

Die Forscher werteten 116 wissenschaftliche Untersuchungen zur Saatgutproduktion von 74 landwirtschaftlich wichtigen Kulturpflanzen aus. Für 54 Kulturpflanzen konnten sie eine - meist hohe - Abhängigkeit von tierischer Bestäubung ermitteln. Ihr Fazit: Angesichts des weltweiten Insektenrückgangs sei der Schutz von Bestäuberpopulationen eine Investition, um die Lebensmittelversorgung nachhaltig zu sichern.