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Historiker zum 7. Oktober: Opfer nicht gegeneinander ausspielen

Der Hamas-Terror gegen Israel jährt sich zum dritten Mal. Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, warnt vor Polarisierungen - und richtet den Blick auf tiefe Verwerfungen bis ins private Umfeld hinein.

Zum dritten Jahrestag des Terrorangriffs der Hamas auf Israel ruft der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, dazu auf, Polarisierungen zu vermeiden. "Ich wünsche uns für den Gedenktag, dass die Opfer des antisemitischen Terrors der Hamas und die Opfer des Gaza-Kriegs nicht gegeneinander ausgespielt oder politisch instrumentalisiert werden - weder bei Demonstrationen noch in den Kommentarspalten bei Social Media", sagte Mendel am Dienstag.

Am 7. Oktober 2023 hatten Terroristen aus dem Gazastreifen israelische Orte und Armeestützpunkte entlang des Gazastreifens angegriffen. Etwa 1.200 Menschen wurden getötet, rund 250 Geiseln verschleppt. Etliche kamen frei, viele ums Leben. Die palästinensische Seite beklagt Zehntausende Todesopfer im Gazakrieg.

Der Frieden in Nahost sei fragil, betonte Mendel. Trauer, Leid, Schmerz, Angst und Wut prägten den Alltag von jüdischen und palästinensischen Gemeinschaften weltweit, auch in Deutschland. "Auch drei Jahre später sind die Folgen des 7. Oktobers 2023 in unserer Gesellschaft spürbar." Der Konflikt habe zu gesellschaftlichen Spaltungen, zu tiefen Verwerfungen im Kulturbetrieb, an den Universitäten, in politischen Zusammenhängen und auch im privaten Umfeld geführt - "mit massiven Auswirkungen auf das Zusammenleben".

Problematisch sei vor allem der Diskurs in den Sozialen Medien, so die Bildungsstätte in Frankfurt am Main. "Auf Tiktok oder Instagram verbreiten sich kontextlose Kurzvideos, KI-generierte Bilder und Verschwörungserzählungen, Algorithmen befeuern Schwarz-Weiß-Denken, antisemitische und rassistische Bildsprache", erklärte Direktorin Deborah Schnabel.

Schulen und Jugendarbeit müssten Zusammenhänge verständlich machen und Hetze entgegenwirken, "wenn ein kurzer Clip als vermeintlicher Beweis gilt". Auf diese Herausforderungen sei der Bildungsbetrieb auch nach drei Jahren polarisierter Debatten nicht ausreichend vorbereitet. Antisemitismus als sogenannte Brückenideologie verbinde in Sozialen Medien unterschiedliche Milieus miteinander: etwa rechtsextreme, islamistische oder "vorgeblich eher unpolitisch und Lifestyle-orientierte Accounts etwa aus der Fitness-, Ernährungs- oder Kraftsport-Szene".