Kulturpreis Deutsche Sprache für Verein "Mundart in der Kirche"
Er ist der höchstdotierte deutsche Sprachpreis und sieht sich in der Tradition der Gebrüder Grimm. Von Hape Kerkeling bis Loriot reicht die Bandbreite der Geehrten.
Baden-Baden (KNA) Die Popsängerin und Musikproduzentin Annette Humpe, der Verein "Mundart in der Kirche" und das Erika-Fuchs-Haus als Museum für Comic und Sprachkunst sind am Tag der Deutschen Einheit mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache 2026 ausgezeichnet worden.
Die Eberhard-Schöck-Stiftung und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ehren damit Personen, Institutionen und Initiativen, die sich in besonderem Maße um die deutsche Sprache verdient gemacht haben. Der Preis wurde im Kurhaus Baden-Baden in drei Kategorien verliehen.
Humpe (75) erhielt als Hauptpreis den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis. Sie war jahrzehntelang eine feste Größe in der deutschen Popmusik. Sie wurde in den 1980er Jahren mit der Gruppe "Ideal" bekannt ("Blaue Augen"), später feierte sie mit Adel Tawil als Duo "Ich und Ich" Erfolge ("Vom selben Stern"). Die Künstlerin arbeitete auch mit Udo Lindenberg, Nena oder Rio Reiser zusammen. Humpe habe die deutsche Sprache in ihren Texten "cool, lässig und emotional" gemacht, hieß es zur Begründung.
Den mit 5.000 Euro dotierten Initiativpreis Deutsche Sprache erhielt der Verein "Mundart in der Kirche". "Die Mundart verleiht den Alltagsbildern gerade durch die Alltagssprache eine große Kraft", sagte sein Vorsitzender, der evangelische Pfarrer Claus Ebeling (60).
Der undotierte Institutionenpreis Deutsche Sprache 2026 ging an das Erika-Fuchs-Haus in Schwarzenbach an der Saale in Bayern, Deutschlands erstes Comic-Museum. Es ist der Übersetzerin und Chefredakteurin Erika Fuchs (1906-2005) gewidmet, die die "Geschichten aus Entenhausen" des Micky-Maus-Magazins vom Englischen ins Deutsche übertragen hat.
Der Verein "Mundart in der Kirche" unterstütze christliche Mundart-Schaffende für ein erfolgreiches Wirken in Gemeinde und Kirche, heißt es in der Selbstbeschreibung. Die Dialekt-Freunde mit dem Schwerpunkt in Franken veranstalten dazu Studientage, veröffentlichen Schriften in Dialekt, wie die viel beachtete "Fränggische Bibl", und halten Gottesdienste, in denen Fränkisch gepredigt und gesungen wird.
An dem Projekt "Fränggische Bibl" seien nicht nur kirchliche Mitarbeiter beteiligt gewesen, sondern "auch viele, die gar nicht mehr der Kirche angehören, aber Gottes Wort für wahr und wichtig halten", sagte Ebeling, der Pfarrer in Lichtenau bei Ansberg (Mittelfranken) ist. "Alle eint der Wunsch, die Botschaft des christlichen Glaubens verständlich und zu Herzen gehend weiterzusagen." Man habe mit der Übersetzung der Bibeltexte zudem dem fränkischen Dialekt ein sprachliches Denkmal geschaffen.
