Erste Rollstuhlfahrerin im All: Nehmt Menschen mit Behinderung ernst
Ein Rollstuhl ist kein Grund, Träume kleinzureden: Das zeigt Michaela Benthaus mit ihrem Flug ins All. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass Menschen mit Behinderung noch immer unterschätzt werden.
München (KNA) Menschen mit Behinderung nicht bemitleiden oder unterschätzen, sondern ihnen zuhören: Das wünscht sich die Münchner Luft- und Raumfahrtingenieurin Michaela Benthaus (34), die im vergangenen Jahr als erste Rollstuhlfahrerin überhaupt ins Weltall flog. "Nehmt sie und ihre Träume ernst, so wie man die Träume einer jeden Person ernst nehmen sollte", schreibt sie in ihrem Buch "Zwischen Schwerkraft und Schwerelosigkeit", das an diesem Mittwoch erscheint.
Zudem rief Benthaus, die seit einem Mountainbikeunfall im Rollstuhl sitzt, dazu auf, auf Barrierefreiheit zu achten. "Manchmal können kleine Dinge unglaublich viel bewirken. Vielleicht habt ihr auch irgendwann die Möglichkeit, im Kleinen oder Großen dazu beizutragen, dass jemand trotz seiner Einschränkungen das Gefühl bekommt, alles erreichen zu können." So sei es auch bei ihr erst dazu gekommen, dass ihr Raumflug möglich wurde.
Sie kritisiert zudem, dass Menschen mit Behinderung oft weniger zugetraut wird und ihnen nicht die gleichen Chancen gegeben werden wie Menschen ohne Behinderung. Das erlebe sie immer wieder in unterschiedlichen Situationen.
Die große Medienaufmerksamkeit rund um ihren Flug habe dem Thema Behinderung eine enorme Sichtbarkeit verschafft, was einer der wichtigsten Bausteine für Inklusion sei. "Von nun an leben wir in einer Welt, in der jemand im Rollstuhl ins All geflogen ist und eine Behinderung nicht mehr als Totschlagargument verwendet werden kann, um Menschen mit Behinderung aus der astronautischen Raumfahrt konsequent auszuschließen."
Auch in der Raumfahrt stehe Inklusion aber noch ganz am Anfang, schreibt Benthaus. Der Alltag auf der Erde sei da kein Vorbild, da Barrierefreiheit hier in vielen Lebensbereichen noch nicht realisiert werde. Gerade in Zeiten, in denen "der Grundstein für die astronautische Raumfahrt der Zukunft gelegt" werde, müssten alle Menschen berücksichtigt werden: Das sei zudem einfacher, als etwas erst im Nachhinein barrierefrei umzubauen.
Darüber hinaus sei nicht ausgeschlossen, dass auch Astronauten während einer Raumfahrtmission verletzt werden oder eine Behinderung davontragen. Als Beispiele nennt sie einen Schlaganfall oder eine Erblindung.
