"Mogst reden?" - wie Seelsorge auf dem Oktoberfest funktioniert
Geisterbahn, Riesenrad, Bierzelt - auf der Wiesn kann man sich bestens vom sorgenvollen Alltag ablenken. Oder auch darüber ins Gespräch kommen. Was eine Ordensfrau bei ihren Begegnungen erlebt.
München (KNA) Ein neues Gesprächsangebot der katholischen Kirche für Besucher des Oktoberfests in München stößt auf Zuspruch. "Es kommen jetzt nicht die Massen", sagte die Initiatorin, Schwester Katharina Eiblmeier, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Donnerstag. "Wenn man eine Stunde da ist, hat man zwei bis drei nette Gespräche."
Unter dem Motto "Mogst reden?" bieten sich die Ordensfrau und ein Team von Gemeindemitgliedern in der Kirche Sankt Paul während der Wiesnzeit für Gespräche mit Besuchern an. Sankt Paul unmittelbar nördlich des Festgeländes wird von vielen angesteuert, weil man von der Turmplattform einen prächtigen Blick über das Oktoberfest hat.
Manche wollten nur den Weg zum Turmaufgang wissen, sagte Schwester Katharina. Außer Plaudereien hätten sich aber auch schon tiefere Gespräche ergeben. "Da war ein Herr, der bitter zu weinen angefangen hat, weil er den Glauben verloren hat", berichtete die Ordensfrau. Ein anderer habe von einer nicht lange zurückliegenden Operation am offenen Herzen erzählt, wieder ein anderer von einer zerbrochenen Beziehung. Niemand habe bisher gesagt: "Lassen Sie mich in Ruhe."
Die Seelsorgerin sagte, sie warte nicht, bis sie angesprochen werde, sondern gehe auch selbst auf Kirchenbesucher zu. Das koste manchmal Überwindung und erfordere ein Gespür für den passenden Moment. Zu aufdringlich dürfe man nicht sein.
Warum manche ausgerechnet während eines Besuchs des größten Volksfestes der Welt das Bedürfnis hätten, ihr Herz auszuschütten, erklärt sich Schwester Katharina so: "Freude und Leid liegen oft nahe beieinander. Und wenn man eine Maß getrunken hat, fällt manchem das Reden leichter."
