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Augenärzte: Netzhaut-Chip macht Buchstaben wieder sichtbar

Ein winziger Netzhaut-Chip soll Menschen mit fortgeschrittener trockener Makula-Degeneration einen Teil des verlorenen Sehvermögens zurückgeben. Erste Patienten können damit wieder Buchstaben, Zahlen und Muster erkennen.

Ein Netzhaut-Chip markiert offenbar den Beginn eines neuen Kapitels des künstlichen Sehens. Er sei wie sein Name - PRIMA, sagte Lars-Olof Hattenbach, Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und Direktor der Augenklinik am Klinikum Ludwigshafen. Er äußerte sich am Donnerstag in Frankfurt im Vorfeld des jährlichen Kongresses der Fachgesellschaft.

Dieser Netzhaut-Chip könne Menschen mit einer fortgeschrittenen trockenen, meist altersabhängigen Makula-Degeneration ein Teil der Sehfunktion wieder zurückgeben. In Deutschland sind nach Angaben des Augenarztes rund 400.000 Menschen betroffen.

Mit diesem Chip sei es zum ersten Mal möglich, Menschen zu helfen, statt nur die Erkrankung zu verwalten. Der Netzhaut-Chip ist nach Angaben von Hattenbach sehr klein, sehr dünn und kann mit einer Operation ins Auge eingesetzt werden. Vorher allerdings müssten sich die Patienten über mehrere Monate einem Training mit einer dazugehörigen Brille unterziehen, die eine Kamera enthält.

Bislang sehen die Patienten nach Angaben des Augenspezialisten anschließend ein Bild in Schwarz-Weiß. Aber sie können mit dem Netzhaut-Chip plus der dazugehörigen Brille wieder schreiben, Kreuzworträtsel oder Sudoku lösen - wenn alles gut laufe. Eine Patientin berichtete laut Hattenbach, sie könne sogar wieder mit ihrer Enkelin Karten spielen. Von einer Wiederherstellung des normalen Sehvermögens könne allerdings nicht gesprochen werden.

Die Entwicklung der nächsten Generation dieses Chips ist nach Angaben des Augenspezialisten bereits im Gange - ebenso bei der Brille. Die Kamera soll dann eine Zoom-Funktion bekommen.

Im Juli 2026 erhielt PRIMA die europäische CE-Kennzeichnung, sagte der Experte. Doch sei er noch nicht flächendeckend verfügbar, sondern nur in den spezialisierten Netzhautzentren, die an einer europäischen Studie teilnehmen. Zudem sind tragfähige Modelle für die Kostenerstattung noch nicht geklärt.