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Lehrerverband zu Linken-Plänen: "Hausaufgaben und Noten notwendig"

Die Berliner Linke plant, sollte sie in der Hauptstadt Regierungsverantwortung bekommen, die Abschaffung von Noten und Hausaufgaben bis zur neunten Klasse. Lehrerverbandspräsident Stefan Düll wendet sich scharf dagegen.

Schule ohne Hausaufgaben, keine Notengebung von 1 bis 6? Der Deutsche Lehrerverband wendet sich ausdrücklich gegen entsprechende Pläne der Berliner Linken. "Wir alle brauchen einen gewissen Druck, um etwas zu erreichn", erklärte Verbandspräsident Stefan Düll der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Noten helfen, den inneren Schweinehund zu überwinden."

Eine Bewertung von eins bis sechs sei "ein glasklares Feedback", an denen sich Kinder und auch Eltern orientieren könnten. "Eine Leistung allein durch Gespräche rückzumelden, hilft auf Dauer nicht weiter. Kinder müssen wissen, woran sie sind." Rein mündliche Kritik sei mitunter so wertschätzend formuliert, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Leistung nicht einordnen könnten, gab Düll zu bedenken.

Spätestens beim Schulabschluss, bei dem dann eine Bewertung erfolgen müsse, seien Noten unumgänglich. Dann könne es aber mitunter zu spät sein, gegenzusteuern, so Düll.

Weiter sagte er, Hausaufgaben seien ein gutes Mittel, Gelerntes zuhause einzuüben. "Ich kann in der Schule nicht erreichen, dass jeder Mensch das ausschließlich dort lernt", sagte er. Möglicherweise gehe es der Linken auch um Kontrolle. "Sie wollen nicht, dass der Einzelne etwas im Stillen macht." Auch unter nicht ganz idealen Bedingungen sei es möglich, zu Hause zu lernen, betonte Düll. Dies zeige ein Blick in die Geschichte.

"Die Linke sind Feinde von Leistung, wollen aber für sich und ihre Klientel, dass die Leistungsträger sie versorgen", kritisierte der Studienrat und Schulleiter die Pläne der Partei. "Die Berliner Linke als sozialistische Partei will die Gesellschaft offenbar aus den Angeln heben."

Die Berliner Linke hatte entsprechende Pläne in ihrem Wahlprogramm festgeschrieben. Darin heißt es, Ziffernnoten sollten "an allen Schularten bis einschließlich Klasse 9 durch mündliche und schriftliche Rückmeldungen zum Leistungsstand" ersetzt werden. Ziel sei, "den zunehmend belastenden Leistungsdruck zu mindern und die Eigenmotivation von Schüler*innen zu fördern".

Weiter schreibt die Linke mit Blick auf Hausaufgaben: "Hausaufgaben übersetzen soziale Ungleichheit direkt in ungleichen Schulerfolg. Vor allem Schüler*innen aus finanziell ärmeren Verhältnissen haben weniger Zeit, Räume, Ruhe und Unterstützung beim Erledigen von Hausaufgaben. Nachhilfeunterricht können sich nicht alle leisten. Deshalb wollen wir Hausaufgaben abbauen." Das Einüben und Festigen solle vorrangig in der Schule stattfinden.

Auch solle geprüft werden, "die Anzahl der Klassenarbeiten zu reduzieren, um so Schüler*innen und Lehrkräfte zu entlasten, und flexiblere, zeitgemäße Prüfungsformate etablieren."

Die Linke war bei der Berliner Senatswahl am Sonntag stärkste Kraft geworden. Sie könnte in einer Koalition mit SPD und Grünen die Regierungsverantwortung in der Hauptstadt bekommen.