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Bevölkerungsforscher: Darum lebt man hinter Klostermauern länger

Das Kloster als Experimentierfeld: Wenn es um Lebenserwartung geht, liegen Ordensleute deutlich vor Menschen außerhalb der Klostermauern. Warum das so ist, hat eine Studie untersucht.

Von Mönchen und Nonnen lernen, heißt länger zu leben: Zu diesem Schluss kommt der Wiener Bevölkerungswissenschaftler Marc Luy (55) nach Auswertung der Daten zur Lebenserwartung von mehr als 16.000 Mitgliedern aus 16 deutschen und österreichischen Ordensgemeinschaften in der Deutsch-Österreichischen Klosterstudie.

Der Lebensstil in einer Ordensgemeinschaft erhöhe die Lebenserwartung von Männern offenbar deutlich und gleiche sogar den Unterschied zwischen Männern und Frauen fast vollständig aus, sagte Luy der Beilage "Christ und Welt" der Wochenzeitung "Die Zeit". Daraus lasse sich schließen, dass die Lebensdauer von Menschen offenbar weniger stark genetisch bestimmt sei.

"In Wahrheit haben wir viel mehr Einfluss auf unsere Gesundheit und Lebenserwartung, als die meisten annehmen. Aber man muss etwas dafür tun." Das Geheimnis eines langen Lebens sei vor allem das Umgehen von Gesundheits- und Sterberisiken. "Also: nicht rauchen, wenig Alkohol trinken, keine Drogen nehmen, nicht auf Schlaf verzichten, ungesunde Ernährung vermeiden, Stress reduzieren, soziale Kontakte pflegen."

Luy verwies darauf, dass Ordensmänner im Schnitt fünf Jahre länger lebten als der Durchschnittsmann. Und während Frauen in der Gesellschaft im Schnitt viereinhalb Jahre älter würden als Männer, verringere sich der Unterschied zwischen Nonnen und Ordensmännern auf ein Jahr. "Damit spricht vieles dafür, dass die unterschiedliche Lebenserwartung von Männern und Frauen vor allem auf nichtbiologische Faktoren zurückzuführen ist. Die Natur spielt also eine untergeordnete Rolle."

Der Bevölkerungsforscher verwies auf die Bedeutung von Routinen im Kloster. "Wir konnten messen, dass Ordensleute ein niedrigeres Stresslevel als Menschen aus der Allgemeinbevölkerung haben." Ordensleute wüssten genau, was sie zu welcher Zeit machen. "Das nimmt viel Druck aus dem Alltag. Viele Mönche haben mir gesagt, dass sie das stressige Leben außerhalb des Klosters nicht mehr ertragen würden."

Auch die Gemeinschaft spielt aus Sicht des Wissenschaftlers eine wichtige Rolle: "Die drei wesentlichen Bausteine sind das Leben in der Gemeinschaft, der strukturierte Tagesablauf sowie eine klare spirituelle Aufgabe, die ihnen einen Sinn im Leben gibt." Wenn Menschen zusammenlebten, ernährten sie sich besser, hätten weniger Suchtprobleme und führten generell ein geregelteres Leben. "Sie achten aufeinander, es fällt auf, wenn jemand psychische oder körperliche Probleme hat." Genau deshalb lebten auch verheiratete Menschen im Schnitt länger als ledige.

Auf die Frage, wie weit auch der Glaube helfen könne, länger zu leben, sagte Luy, Gläubige seien in der Regel mehr in Gemeinschaften eingebunden. "Ihr Glaube kann ihnen Stabilität und Sicherheit geben, in der Beichte können sie Sorgen abladen. Bei Ordensleuten kommt eine klare mit dem Glauben verbundene Aufgabe hinzu: Sie dienen Menschen und vermitteln die Botschaft Gottes. Da ist ein Lebenszweck, der vielen weltlichen Menschen fehlt."