Neue Demenz-Statistik: Ausbruch der Krankheit verschiebt sich
Demenzerkrankungen brechen in Deutschland immer später aus. Das ist die gute Nachricht. Dennoch wird die Zahl der Erkrankten weiter steigen - wegen der alternden Gesellschaft.
Berlin (KNA) Gute Nachrichten beim Thema Demenz: Zwar wird die Zahl der Erkrankungen wegen der alternden Gesellschaft in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Zugleich verschiebe sich aber der Beginn der Erkrankung durchschnittlich immer weiter in ein höheres Alter, teilte die Deutsche Alzheimer Gesellschaft am Dienstag in Berlin unter Berufung auf neueste Berechnungen mit.
Demnach leben in Deutschland derzeit rund 1,78 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Die meisten von ihnen sind von Alzheimer betroffen. Bis 2050 wird sich die Zahl der Menschen mit Demenz voraussichtlich auf bis zu 2,6 Millionen erhöhen.
"Was wir feststellen können, ist, dass die Gesellschaft offenbar insgesamt gesünder wird", erklärten René Thyrian und Iris Blotenberg vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen. "Der durchschnittliche Beginn der Erkrankung verschiebt sich dadurch im Vergleich zum Stand vor zehn Jahren tendenziell in ein höheres Alter."
Trotzdem steige die Zahl der Demenz-Fälle immer weiter. Hauptursache dafür ist nach Angaben der Wissenschaftler die steigende Lebenserwartung und damit eine immer größer werdende Zahl von Menschen, die ein Alter erreichen, in dem die Wahrscheinlichkeit einer Demenz stark zunimmt.
"Solange es keine Therapie gibt, die die Alzheimer-Krankheit stoppen kann, wird die Zahl der Menschen mit Demenz in den nächsten Jahrzehnten weiter ansteigen", betont Thyrian, der auch Vorstandsmitglied der Alzheimer Gesellschaft ist. "Wie stark der Anstieg genau ist, hängt vor allem davon ab, wie sich der Altersdurchschnitt der Bevölkerung entwickelt und inwieweit konsequentere Präventionsbemühungen erfolgreich sind. Darüber lässt sich allerdings bisher nur spekulieren."
Alle zwei Jahre aktualisiert die Deutsche Alzheimer Gesellschaft aufgrund wissenschaftlicher Studien ihre Informationen zur Häufigkeit von Demenzerkrankungen in Deutschland.
Die meisten Menschen mit Demenz leben im bevölkerungsreichsten Bundesland, in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Bayern und Baden-Württemberg. Betrachtet man den Anteil Demenzkranker an der Gesamtbevölkerung, zeigt sich indes: Am niedrigsten ist der Anteil in den "jungen" Bundesländern Hamburg (1,7 Prozent) und Berlin (1,8 Prozent).
Am höchsten ist er in den Bundesländern mit dem höchsten Durchschnittsalter: Sachsen und Sachsen-Anhalt mit je 2,6 Prozent, gefolgt von Thüringen mit 2,5 Prozent. Das bedeutet, dass diese Bundesländer noch stärker vor der Herausforderung stehen, eine gute Versorgung der Betroffenen zu gewährleisten.
In der gegenwärtigen "Woche der Demenz" verweist die Alzheimer Gesellschaft darauf, dass Demenz keine reine Frage des hohen Alters sei. Fast fünf Prozent aller Menschen mit Demenz in Deutschland, also rund 85.000 Personen, sind jünger als 65 Jahre.
