Studenten müssen immer mehr für Wohnungen zahlen
In München sind durchschnittlich 850 Euro für ein WG-Zimmer fällig. Bundesweit liegt der Schnitt bei 510 Euro. Bezahlbarer Wohnraum für Studentinnen und Studenten wird gerade in Großstädten zur Mangelware.
Berlin (KNA) In München zahlen Studierende im Schnitt 850 Euro für ein WG-Zimmer. Damit liegt die bayerische Landeshauptstadt im bundesweiten Vergleich für das Wintersemester 2026/27 vorn, wie aus einer am Wochenende veröffentlichten Statistik des Moses Mendelssohn Instituts in Kooperation mit der Plattform WG-Gesucht.de hervorgeht.
Demnach folgen als teuerste Pflaster für angehende Akademikerinnen und Akademiker Berlin und Hamburg mit 650 Euro, Köln mit durchschnittlich 640 Euro und Frankfurt am Main mit 630 Euro. Am preiswertesten sind WG-Zimmer laut Statistik derzeit in Chemnitz (305 Euro), Magdeburg und Halle (beide 350 Euro) sowie Jena und Trier (beide 370 Euro) zu haben.
Der bundesweite Schnitt liegt der Auswertung zufolge bei 510 Euro für ein WG-Zimmer. Damit seien die Zahlen zum Wintersemester 2026/27 im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Semestern weitgehend stabil geblieben. Vor zehn Jahren, im Wintersemester 2016/17, lag der durchschnittliche Mietpreis bei rund 349 Euro.
"Der große Preisauftrieb kam kurz nach der Corona-Pandemie", sagte der Geschäftsführende Direktor des Moses Mendelssohn Instituts und Professor für Immobilienmanagement an der NBS Northern Business School, Stefan Brauckmann. Der Energiepreisschock in Verbindung mit dem Angriff Russlands auf die gesamte Ukraine 2022 hat die Preise noch einmal zusätzlich erhöht. "Und auf diesem sehr, sehr hohen Niveau sind sie geblieben", so der Fachmann. Auch für die kommenden Jahre erwartet er für wohnungssuchende Studierende keine grundlegende Entspannung.
Sorge bereiteten auch die erheblichen Unterschiede zwischen einzelnen Hochschulstandorten. "Ob ein WG-Zimmer 400, 500 oder 650 Euro kostet, kann erheblich darüber mitentscheiden, welcher Studienort überhaupt finanzierbar ist", sagte Brauckmann. Die zunehmenden Unterschiede zwischen den Hochschulstandorten seien deshalb weit mehr als eine statistische Größe.
Ähnlich äußerte sich der "freie zusammenschluss von student*innenschaften" (fzs). Die zuständige Referentin Rahel Schüssler beklagte, dass die Wohnkostenpauschale im BAföG weiterhin 380 Euro betrage und erst zum nächsten Sommersemester auf 440 Euro erhöht werden solle.
Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Studierendenwerks, Matthias Anbuhl, warnte, dass der Mangel an bezahlbarem Wohnraum für Studentinnen und Studenten gesellschaftlichen Sprengstoff berge." Es drohe "eine neue Form der sozialen Auslese über die Miete".
Für die Statistik wurden alle 90 deutschen Hochschulstandorte mit mehr als 5.000 Studierenden ohne reine Fernstudienanbieter und Verwaltungshochschulen berücksichtigt. Für die Stichprobe wurden 3.870 Angebote von bestehenden Wohngemeinschaften mit einer Gesamtgröße von zwei bis drei Personen auf WG-gesucht.de ausgewertet, in denen ein Zimmer unbefristet und nicht als Tauschangebot zur Verfügung gestellt wird.
Bei den ausgewiesenen Werten handelt es sich den Angaben zufolge um Warmmieten, die überwiegend bereits Kosten für Strom und Internet sowie die Möblierung und technische Ausstattung der gemeinschaftlich genutzten Räume enthalten.
