Expertin: Im Kleinen für Katastrophen vorsorgen - Hilfreich im Alltag
Hand aufs Herz: Wie viel Wasser haben Sie im Keller gelagert? 20 Liter pro Person empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Eine Expertin erklärt, wie es mit dem Notvorrat klappt.
Bonn/Bremen (KNA) Katastrophenvorsorge muss in den Alltag passen: Das betont Michèle Roth-Dührkoop vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Die offizielle Empfehlung, Lebensmittelvorräte für zehn Tage vorzuhalten, sei für viele Menschen nicht umsetzbar, etwa aus Platz- oder Kostengründen.
Doch schon ein Vorrat für drei Tage sei sinnvoll - und könne auch dann nützlich sein, wenn man einmal erkranke. Sie rate, diesen Bestand nach und nach auf- und dann auszubauen. Ebenso wichtig sei eine gepflegte Hausapotheke.
Die Referatsleiterin Kommunikation äußerte sich beim Symposium "Gesundheitskompetenz 4.0" der Apollon-Hochschule für Gesundheitswirtschaft in Bremen. Viele Menschen täten mehr für Vorsorge, als ihnen selbst bewusst sei, fügte sie hinzu: Sie hätten etwa einen Campingkocher daheim oder frischten ihren Erste-Hilfe-Kurs auf, um ein verletztes Kind versorgen zu können. All diese Maßnahmen seien kleine Bausteine, die die Bevölkerung im Katastrophenfall zur Partnerin machen könnten.
Zugleich beklagt Roth-Dührkopp, dass sich manche Mythen über Katastrophen hartnäckig halten. So werde die Gefahr von Plünderungen "massiv überschätzt": Es gebe diese Fälle; viele Ereignisse hätten jedoch gezeigt, dass vielmehr "prosoziales Verhalten sehr ausgeprägt ist". Vor allem in den Sozialen Medien werde Panik geschürt, kritisierte die Expertin.
Wichtig für die Einzelnen sei, zu wissen, welche Gefahren konkret an ihrem Wohnort und in ihrer Lebenssituation möglich seien - und wie man sich im Ernstfall verhalten solle. Lange sei eine "Vollkasko-Mentalität" politisch gewollt gewesen. Angesichts zunehmender Krisen brauche es aber auch Eigenverantwortung, mahnte Roth-Dührkopp.
Um Schreckensszenarien gehe es dabei nicht unbedingt. "Wenn wir von Krieg sprechen, sagen die Leute: 'Dann kann ich eh nichts mehr machen'. Es kann aber auch jederzeit einmal der Strom ausfallen." Entscheidend sei, mit solchen Situationen - unabhängig von ihrer Ursache - umgehen zu können.
