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Psychologe: Stress endlich loswerden? - Das funktioniert nicht

Kleine Pausen, eine Notfall-Liste mit persönlichen Erholungstricks und ein bewusster Blick auf gute Momente: Ein Psychologe erklärt, warum es zwar keinen Alltag ohne Stress gibt - wie man aber besser damit umgehen kann.

Viele Menschen wollen ihren alltäglichen Stress loswerden - doch das ist nach Worten eines Psychologen nicht möglich. "Der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung sollte täglich mehrfach geschehen", sagte Marcus Eckert beim Symposium "Gesundheitskompetenz 4.0" der Apollon-Hochschule für Gesundheitswirtschaft in Bremen. Wenn man gegen Stress ankämpfe, fühle man sich dagegen ausgeliefert - was die Belastung wiederum verstärke.

Menschen erholten sich in unterschiedlicher Form: Manche bräuchten Musik, andere Austausch, wieder andere die Natur. Der Experte rät dazu, herauszufinden, was einem selbst besonders gut hilft, und möglicherweise eine Liste anzulegen, um bei großer Erschöpfung darauf zurückgreifen. Ebenso sei es sinnvoll, über den Tag verteilt Momente einzuplanen, in denen ein Spaziergang oder bewusster Kaffeegenuss möglich seien: Das "Hinfiebern auf die großen Ferien" genüge nicht.

Seit gut zehn Jahren steige die Stressbelastung, sagte Eckert mit Verweis auf Studien. Dies hänge allerdings auch mit einer medial geschürten Erwartungshaltung zusammen: "Das ständige Sprechen über Multikrisen lenkt unsere Aufmerksamkeit." So zeige sich jetzt, dass das Bild einer "Generation Lost" in der Corona-Zeit dazu beigetragen habe, dass junge Menschen sich noch immer besonders hilflos fühlten: "Die Erwartung selbst hat Spuren hinterlassen."

Worauf der Mensch seine Aufmerksamkeit lenke, daraus werde sein Erleben. Wer wütend durch die Stadt gehe, nehme etwa nachweislich weniger wahr, wenn jemand anderes ihn freundlich anschaue; der Fokus sei dann auf andere Dinge gerichtet. Ebenso sei es ein Missverständnis, dass man sich selbst entlaste, wenn man von negativen Erlebnissen erzähle: "Meistens wird man damit nur Müll los", sagte der Wissenschaftler. Fragen könne man sich vorab, ob ein solches Gespräch etwas klären oder verändern kann.

Andernfalls drohe das berüchtigte Hamsterrad: "Es geht mir immer schlechter." Den Fokus bewusst auf gute Erfahrungen zu lenken, könne dagegen - neben mehr Wohlbefinden - sogar dazu beitragen, erwünschte Gewohnheiten aufzubauen. Ein Beispiel dafür sei ein Abend, an dem man sich nach einem anstrengenden Tag dennoch energetisch und beflügelt fühlt.