• Deutschland DEU
  • Medizin
  • Wissenschaft
Meldung

Krebshilfe: Durchbruch bei Leukämie-Therapie für Kinder

Wenn Kinder an Leukämie erkranken, ist das ein Schock für die ganze Familie. Die gute Nachricht ist, dass es große Fortschritte bei der Behandlung von Blutkrebs gibt. Die Heilungschancen sind gut.

Durchbruch bei der Blutkrebs-Therapie von Kindern: Für Jungen und Mädchen, die an einer besonders risikoreichen Form der akuten lymphatischen Leukämie erkrankt sind, gibt es deutlich bessere Heilungschancen. Wie die Deutsche Krebshilfe am Donnerstag in Bonn mitteilte, konnte in einer großen internationalen Studie die bislang etablierte intensive Chemotherapie durch eine Immuntherapie ersetzt werden, die körpereigene Abwehrzellen gegen die Leukämie nutzt.

"Dadurch ging die Zahl der Rückfälle nahezu um die Hälfte zurück, zugleich traten deutlich weniger schwere Nebenwirkungen auf", so die Krebshilfe. Die von ihr mit rund 4,2 Millionen Euro geförderte Studie wurde von der Klinik für Kinderonkologie und -rheumatologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel geleitet. Die Ergebnisse wurden jetzt im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht, einer der weltweit renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften.

Die akute lymphatische Leukämie (ALL) ist die häufigste Krebserkrankung bei Kindern und Jugendlichen. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 550 bis 600 Jungen und Mädchen unter 18 Jahren neu daran. Mit intensiver Chemotherapie können heute etwa 90 Prozent der betroffenen Kinder langfristig geheilt werden. Etwa jedes fünfte Kind mit ALL gehört jedoch zur Gruppe der Hochrisikopatientinnen und -patienten. Bei ihnen ist die Gefahr sehr groß, dass die Krankheit zurückkehrt. Sie erhalten deshalb bislang eine besonders starke Chemotherapie. Sie soll Rückfälle verhindern, kann aber schwere und zum Teil lebensbedrohliche Nebenwirkungen auslösen.

In der Studie konnte das internationale Forschungsteam nach Angaben der Krebshilfe zeigen: Werden zwei hochintensive Chemotherapie-Blöcke durch zwei Zyklen der Immuntherapie ersetzt, sinkt die Zahl der Krankheitsrückfälle nahezu um die Hälfte. Gleichzeitig treten deutlich weniger schwere Nebenwirkungen auf.

Der eingesetzte Wirkstoff Blinatumomab nutzt dabei das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen die Leukämie. Der Wirkstoff bringt Abwehrzellen des Körpers, sogenannte T-Zellen, gezielt mit Leukämiezellen zusammen. So können die Immunzellen die Krebszellen besser erkennen und zerstören.

An der Studie beteiligten sich den Angaben zufolge mehr als 100 Studienzentren in acht Ländern. "Diese Ergebnisse stellen einen Durchbruch in der Therapie von Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie dar", sagte Studienleiter Martin Schrappe. Der Kieler Kinder-Onkologe Gunnar Cario erklärte, Ziel sei, auch bei weiteren Patientengruppen Chemotherapien durch wirksamere und besser verträgliche Immuntherapien zu ersetzen. "Eine entsprechende Studie wird noch in diesem Jahr starten."