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Friedhöfe werden für Pilzentdecker interessanter

Auf Friedhöfen bleibt immer mehr Fläche ungenutzt. Das ist nach Meinung eines Kulturwissenschaftlers eine Chance für die Natur - und für Pilzfreunde.

Friedhöfe werden für Pilzentdecker offenbar immer attraktiver. "Sie sind ein ideales Biotop für Pilze - bewaldet und mit Grünflächen unter den Bäumen", sagte der Kulturwissenschaftler Norbert Fischer der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch. Die Artenvielfalt sei groß, immer häufiger gebe es wegen der vielen seltenen Pilze auf Friedhöfen auch Kartierungen, also eine systematische Erfassung der Pilze. Auch Pilzführungen würden hier und da angeboten.

"Wie allgemein aus Gründen der natürlichen Vielfalt, ist es hier wichtig, die Wiesen unter den Bäumen nicht zu mähen", fügte Fischer hinzu. Das stärke den Artenreichtum. Der September und Oktober gelten als Hauptsaison, um Pilze zu sichten und zu sammeln.

Naturkundlich spreche nichts dagegen, Pilze auf Friedhöfen zu sammeln, erklärte Sabine Müller-Braun, Pilzcoach der Deutschen Gesellschaft für Mykologie aus Brühl nahe Bonn. "Sie sind genauso gut oder schlecht verwendbar wie anderswo." Allerdings sei es eine Frage der eigenen Pietät, ob man den Artenreichtum auf Friedhöfen nur bewundern oder dort auch Pilze sammeln wolle. "Man sollte außerdem beachten, dass Friedhöfe Eigentum von Kirchen oder Kommunen sind."

Am kommenden Wochenende (19./20. September) findet bundesweit der Tag des Friedhofs statt. Nach Worten des Kulturwissenschaftlers Fischer werden heutzutage immer mehr Menschen nach ihrem Tod eingeäschert und in Urnen bestattet. Dadurch würde weniger Friedhofsfläche benötigt. "Die Freiflächen, die bleiben, sind eine große Chance, um der Natur mehr Platz zu schaffen. Friedhöfe können dadurch wirklich verstärkt zu Oasen der Natur werden."

Manche Friedhofsverwaltungen würden Naturschutz gezielt praktizieren, etwa durch die Anpflanzung alter Apfelsorten, das Aufstellen von Bienenstöcken oder das Anlegen von Blühwiesen. "Da passiert eine Menge", betonte Fischer, dessen Forschungsschwerpunkte unter anderem Bestattungen und Friedhöfe sind.

Träger des Tags des Friedhofs ist der Verein zur Förderung der deutschen Friedhofskultur. Er betont den hohen Wert von Friedhöfen. Ihr Erhalt als ökologische Nische sei "in unserer belasteten Umwelt" dringend erforderlich, heißt es auf der Webseite. Der Bund deutscher Friedhofsgärtner erklärte auf Anfrage, dass Friedhöfe in vielen Städten zu den artenreichsten Grünflächen überhaupt gehörten. Am Wochenende finden demnach bundesweit zahlreiche Aktionen, Führungen oder Diskussionen auf Friedhöfen statt.