Blutspenden mit 73 Jahren und älter? Ärztin sieht kein Problem
Der Bedarf an Blutspenden steigt hierzulande. Ältere Spender könnten zur Versorgungssicherheit beitragen, sagt eine Medizinerin.
Stuttgart (KNA) Lange Zeit durften Menschen hierzulande nur bis zu einem gewissen Alter Blut spenden. In Baden-Württemberg oder Berlin zum Beispiel bis zum vollendeten 72. Lebensjahr. Für Erstspender galt sogar eine Grenze von 65 Jahren. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2023 sind Altersgrenzen allerdings aufgehoben. Das ist nach Angaben der Ärztin Kristina Hölig richtig so, denn: "Ein höheres Alter stellt keinen Hinderungsgrund für eine erfolgreiche Blutspende dar", erklärte die Medizinerin am Dienstag bei einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI).
Es komme auf das biologische Alter des Spenders oder der Spenderin an, nicht auf das kalendarische. So gebe es Studien zufolge keine erhöhte Rate von älteren Blutspendern, deren Spende beim Termin nicht zugelassen würde, sagte Hölig. Zudem sei auch die Nebenwirkungsrate bei ihnen nicht erhöht. "In einigen Gruppen ist sie sogar geringer als bei jüngeren Spendern", erklärte die Fachärztin, die auch Präsidentin der DGTI ist und das Institut für Transfusionsmedizin Dresden beim DRK-Blutspendedienst Nord-Ost leitet.
Hölig spricht sich dafür aus, gezielt Menschen ab 73 Jahren für Blutspenden anzuwerben. Denn einerseits steige angesichts der demografischen Entwicklung der Bedarf an Blutprodukten in den kommenden Jahrzehnten. Andererseits werde sich die Anzahl der Spendewilligen im "klassischen Spendealter" zwischen 18 und 65 Jahren in Zukunft schrittweise reduzieren.
"Das Hauptaugenmerk sollte, wie in allen Altersgruppen, auf die Rekrutierung von Wiederholungsspendern gelegt werden", betonte Hölig. Sie seien erfahren und motiviert. Durch die Einbeziehung der stetig wachsenden Gruppe von Menschen ab 73 Jahren könne der steigende Bedarf an Blutprodukten langfristig leichter gesichert werden.
Bei einer Blutspende, auch Vollblutspende genannt, wird Spendern ein halber Liter Blut über die Armvene entnommen. Mit einer einzigen Blutspende können nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bis zu drei Patientenleben gerettet werden. Laut Hölig spenden hierzulande rund 3 Prozent der Menschen regelmäßig Blut.
