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"Mitmenschlichkeit stärkt die Gesellschaft" - Zum Tag der Tafel

Lebensmittel sortieren und Menschen versorgen, denen es nicht so gut geht: Die Gesellschaft brauche mehr Nächstenliebe, sagt der Tafel-Vorsitzende. 77.000 Menschen packen bei der Tafel mit an, die meisten ehrenamtlich.

Mitmenschlichkeit stärkt eine Gesellschaft nach Einschätzung eines Experten vor allem in Krisenzeiten: "Ein offenes Ohr und eine helfende Hand können Menschen in der Nachbarschaft, aber auch organisiert in gemeinnützigen Strukturen zusammenbringen", erklärt der Vorsitzende von Tafel Deutschland, Andreas Steppuhn, mit Blick auf den Tag der Tafel am Dienstag. "Darin sehe ich gerade jetzt in polarisierenden, beängstigenden Zeiten eine nicht zu unterschätzende solidarische Kraft."

Knapp 27 Millionen Menschen engagieren sich bundesweit laut Deutschem Freiwilligensurvey ehrenamtlich. 77.000 Menschen packen demnach allein bei der Tafel an, 94 Prozent von ihnen ehrenamtlich. Darunter sind laut Angaben überwiegend Menschen im Rentenalter, aber auch jüngere Menschen bis 35 Jahre.

"Für die Bekämpfung von Armut ist und bleibt die Politik zuständig", betont Steppuhn. Dennoch müssten sich für den Zusammenhalt in der Gesellschaft "alle starkmachen". Das bedeute nicht, dass freiwilliges Engagement den Staat aus der Verantwortung nehme.

"Der Einsatz der Tafeln für 1,5 Millionen Menschen macht Armut und die große soziale Ungleichheit in unserem Land überhaupt erst sichtbar. Das erfordert nachhaltige Maßnahmen, die das Existenzminimum aller Betroffener sicheren sowie Chancengleichheit bei Bildung und Teilhabe schaffen." Es sei Aufgabe der Bundesregierung, mit Reformen soziale Sicherheit zu schaffen.

In Deutschland gibt es mehr als 980 Tafeln. Zumeist ehrenamtliche Helfer sammeln dafür überschüssige, aber einwandfreie Lebensmittel von Supermärkten und geben sie gegen einen kleinen symbolischen Betrag an armutsbetroffene Menschen aus. Wer die Lebensmittelausgabe der Tafeln in Anspruch nehmen will, muss seine Bedürftigkeit nachweisen, etwa mit einem Jobcenter-, Renten-, Wohngeld- oder BAföG-Bescheid.