Annett Louisan: Wegen DDR-Kindheit bis heute Bammel vor Polizisten
Gute Rechtschreibkenntnisse und Angst vor der Staatsgewalt - die aus Sachsen-Anhalt stammende Sängerin Annett Louisan erzählt von den Folgen ihrer DDR-Kindheit. Auch spricht sie übers Frausein.
Augsburg (KNA) Die Sängerin Annett Louisan blickt offenbar mit gemischten Gefühlen auf ihre Kindheit in der DDR zurück. "Positiv habe ich tatsächlich zum Beispiel die Schulbildung in der DDR in Erinnerung", sagte die 49-Jährige in einem Interview, das am Wochenende in der "Augsburger Allgemeinen" erschienen ist. Orthografie und Grammatik hätten durch den Drill einfach besser gesessen. "Aber ich merke bis heute eine gewisse Angst vor staatlicher Gewalt: Sehe ich einen Polizisten, kriege ich Bammel, obwohl ich nichts angestellt habe."
Die Künstlerin, die aus Sachsen-Anhalt stammt, erzählte weiter: "Ich bin ein klassisches Wendekind, meine Mutter ist mit mir nach Hamburg gezogen, und wir sind komplett in die Gegenwart eingetaucht. Ich habe die Wende und die Wiedervereinigung immer positiv erlebt, aber es gibt auch ganz andere Biografien, von Leuten, die geblieben sind. Diese interessieren mich immer mehr, da sie das Bild von der Wiedervereinigung für mich vervollständigen."
Louisan sprach außerdem über das Thema Frausein. So sagte sie zur Perimenopause, also zur Zeit vor und um die letzte Menstruation herum: "Obwohl in den letzten Jahren viel offener darüber gesprochen wird, empfinden immer noch wahnsinnig viele Frauen Scham, weil das Thema automatisch mit Unfruchtbarkeit und Altwerden und so einem Gefühl von 'Jetzt ist alles vorbei' verknüpft wird."
Die Sängerin fügte an: "Ich verstehe total, wenn Frauen darüber nicht reden möchten, aber ich selbst will mich dafür nicht mehr schämen. Ich finde es wichtig, dass der Fokus endlich stärker auf Frauengesundheit liegt, das wurde lange genug sträflich vernachlässigt."
