Bülent Ceylan: Realität ist heute schriller als das Kabarett
Seine Programme füllen Stadien: Seit 20 Jahren gehört Bülent Ceylan fest zur deutschen Comedy. Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen beobachtet er mit Sorge - und beschreibt, wie seine Branche darauf reagieren kann.
Berlin (KNA) Bülent Ceylan (50), Komiker, sieht im Kabarett offenbar neue Chancen. Früher habe er oft Witze über "gesellschaftliche Prozesse gemacht, indem ich diese schrill erhöht oder zugespitzt habe", sagte Ceylan der "Welt am Sonntag". Heute sei "die Realität selbst schrill erhöht - ich kann das allenfalls noch abbilden. Vielleicht entsteht dadurch jetzt eine Art neue Ernsthaftigkeit, wenn ein Komiker wie ich zeigt, wie schlimm es um die Welt bestellt ist - und zwar ohne dass diese Übertreibung humoristisch überhöht wirkt."
Mächtige wie US-Präsident Donald Trump scherten sich nicht darum, was er singe oder sage, fügte der Comedian hinzu, der soeben sein zweites Metal-Album veröffentlicht hat und zuletzt auch auf der Opernbühne stand. In Deutschland wollten "derzeit einige Menschen - ungeachtet all der Lehren der jüngeren Geschichte, die wir glaubten gezogen zu haben - offenbar bestimmte Phasen noch einmal durchmachen. Bis sie dann auf die Schnauze fallen."
Er hoffe, dass sich Geschichte nicht wiederhole, betonte Ceylan. Der Sohn eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter ist in Mannheim geboren; 2019 ließ er sich evangelisch taufen. "Nur wiederholt sie sich in manchen Bereichen ja offenbar bereits. Es kommt mir fast so vor wie in der Kindererziehung. Manchmal kannst du Kinder noch so oft warnen: 'Macht das nicht, ihr verbrennt euch eure Finger.' Und dann verbrennen sie sich doch."
