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Musikprofessor: Soziale Medien wecken neues Interesse an der Orgel

Verstaubt und nur für Kirchgänger? Dieses Bild der Orgel hält ein Fachmann für überholt. Gerade junge Menschen entdecken das Instrument über Soziale Netzwerke neu.

Die Orgel stößt nach Einschätzung des Heidelberger Orgelprofessors Christoph Bornheimer auch bei neuen und jungen Zielgruppen auf wachsendes Interesse. Dazu trügen insbesondere die Sozialen Medien bei, sagte Bornheimer der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zum Deutschen Orgeltag am Wochenende. Dort werde vieles sichtbar, was sonst hinter den Kulissen bleibe - etwa Einblicke in die komplexe Technik einer Orgel und deren künstlerische Verwendung. Das fasziniere und erschließe neue Zielgruppen.

Auch um den Nachwuchs macht sich der Professor für Orgel und Orgelimprovisation an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg keine Sorgen. Das Interesse junger Menschen sei sehr groß. Beim derzeitigen Orgelwettbewerb "Kontrapunkte!" in Heidelberg habe die Jury viele exzellente Beiträge von Jugendlichen und Studierenden gehört. Auch angesichts schrumpfender kirchlicher Mittel sei die Nachfrage nach "qualitativ hochwertiger und begeisternder Kirchen- und Orgelmusik" sehr hoch.

Ein Risiko sieht Bornheimer allerdings durch die Schließung von Kirchen. Für die dortigen Orgeln könne das aber auch eine Chance sein. Wenn ein erhaltenswertes Instrument in einer Kirche steht, die aufgegeben werden solle, könne es an einen anderen Ort versetzt werden, an dem es stärker genutzt und wahrgenommen werde.

Als Beispiel nannte er die spätbarocke Krämer-Orgel aus der profanierten Sebastianskapelle im badischen Ladenburg. Das lange kaum genutzte Instrument sei in die Heidelberger Christuskirche versetzt worden und werde dort heute intensiv in Gottesdiensten, Konzerten und im Unterricht genutzt. Eine Restaurierung werde derzeit vorbereitet.

Der 16. Deutsche Orgeltag findet am Samstag und Sonntag parallel zum Tag des offenen Denkmals statt. Nach Angaben der Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands gibt es bundesweit rund 50.000 Orgeln. Mit Konzerten, Führungen und weiteren Veranstaltungen sollen sie einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden.