Hörgeräte sind zu Unrecht unbeliebt - Steigendes Alzheimerrisiko
Gutes Sehen und Hören erleichtern nicht nur den Alltag, sondern können auch das Gehirn schützen. Darauf weisen Experten mit Blick auf den Weltalzheimertag am 21. September hin.
Düsseldorf (KNA) "Was hast du gerade gesagt?" Wer nicht richtig hören - oder sehen - kann, erhöht mitunter seine Risiko für eine Alzheimererkrankung. "Unbehandelte Hör- und Sehprobleme können dazu führen, dass Menschen weniger Reize aufnehmen und sich aus Gesprächen oder Aktivitäten zurückziehen", erklärt Anne Pfitzer-Bilsing von der Alzheimer Forschung Initiative (AFI). "Das verringert die geistige Aktivität und die soziale Teilhabe, die beide wichtig für die Gehirngesundheit sind."
In Deutschland leben rund 1,84 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Rund 1,2 Millionen von ihnen sind an Alzheimer erkrankt, der häufigsten Ursache für Demenz. Laut Studien können weltweit theoretisch rund 45 Prozent der Demenzfälle verzögert oder verhindert werden, wenn Risikofaktoren gezielt angegangen würden.
Gerade Schwerhörigkeit werde oft noch nicht ernst genug genommen. "Während es normal ist, im Alter irgendwann eine Brille zu tragen, tun sich viele Menschen mit Hörhilfen schwer - mit möglichen Folgen für den Alltag und die Gehirngesundheit", so Pfitzer-Bilsing. Deshalb solle man sein Hörvermögen regelmäßig in einer HNO-Praxis oder bei einem Hörakustiker überprüfen lassen. In den meisten Fällen könne ein Hörgerät dabei helfen, Defizite auszugleichen. Bei einer ärztlichen Verordnung beteiligten sich die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel an den Kosten.
Dabei sei es wichtig, sich früh genug darum zu kümmern. Pfitzer-Bilsing ergänzt: "Wenn man zu lange mit einer Schwerhörigkeit lebt, kann sich das Gehirn an die fehlenden Höreindrücke gewöhnen. Wenn das Hören dann mit einem Hörgerät korrigiert wird, erscheinen Stimmen und Geräusche anfangs oft ungewohnt oder unangenehm laut - und das Hörgerät landet in der Schublade. Das ist natürlich nicht hilfreich."
Auch wer schlechter sieht, sollte die Ursachen fachärztlich abklären und behandeln lassen. Sehhilfen wie eine Brille sowie die Behandlung von Augenkrankheiten können dazu beitragen, die Sehkraft länger zu erhalten. "Wer gut hört und sieht, kann weiterhin aktiv am Leben teilnehmen und Gesprächen besser folgen", betont Pfitzer-Bilsing.
Altersbedingter Hörverlust tritt demnach häufig ab der Lebensmitte auf und nimmt mit dem Alter zu. Auch die Sehkraft lässt laut Experten mit zunehmendem Alter nach. Bereits ab Mitte 40 falle das Sehen in der Nähe schwerer, später können Erkrankungen wie Grauer Star oder Makuladegeneration hinzukommen.
