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Expertin: Über Jugendsprache wurde schon immer geklagt

Jugendliche ruinieren die Sprache? Von wegen: Einer Expertin zufolge ist Jugendsprache kein Zeichen für Verfall. Wie sie diese stattdessen einschätzt - und welche Wörter vor 200 Jahren als problematisch galten.

Jugendsprache ist nach Ansicht der Erlanger Germanistin Judith Willberg kein Zeichen für Sprachverfall, sondern eher für Sprachwandel. "Die Klage über den vermeintlichen Sprachverfall durch Jugendliche ist mindestens so alt wie die Jugendsprache selbst", sagte die wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin der Universität Erlangen-Nürnberg in einem am Montag veröffentlichten Beitrag.

So sei schon im 19. Jahrhundert die damalige Studentensprache kritisch gesehen worden, so die Germanistin. Wörter wie "Kneipe" oder "Moos" hätten als problematische Neuerungen gegolten. Jugendsprache zeige aber, wie flexibel die Sprache ist: "Manche Wörter verschwinden schnell wieder, andere bleiben. Manche verändern ihre Bedeutung oder bekommen neue Funktionen. Und manches, was heute als typisch jugendlich gilt, wird morgen ganz selbstverständlich von Erwachsenen verwendet."

Es gebe eine große Diskrepanz zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und der medialen Darstellung einer angeblich verfallenden Jugendsprache, kritisierte Willberg. "Sprache ist ein wichtiger Teil von Jugendkultur - genauso wie Mode, Musik oder bestimmte Umgangsformen." Jede Generation bringe neue Phänomene hervor und trage so zum dauerhaften Wandel der Sprache bei.