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Wirtschaftswissenschaftler: Geld hielt römisches Reich zusammen

Ruhte die Macht des alten Rom nur auf den Lanzen der Legionäre? Nach einer statistischen Untersuchung zum Münzumlauf war Geld ein wichtigeres Bindemittel als gedacht - eine Art antiker Euro-Raum.

Die Festigung der Herrschaft im römischen Reich beruhte nach einer aktuellen Untersuchung mehr auf der wirtschaftlichen Integration der eroberten Gebiete denn auf Militärpräsenz. Laut einem am Freitag veröffentlichten Beitrag in "Humanities and Social Sciences Communications" diente die römische Armee mehr als Katalysator, der eine römische Geldwirtschaft einführte und so das Entstehen und die Verflechtung von Märkten, Städten, Verwaltungen, religiösen Zentren und Handelsnetzen begünstigte.

Für diese These werteten die Wirtschaftswissenschaftler Eduardo Haddad und Inácio Fernandes Araújo von der brasilianischen Universität São Paulo statistisch die Daten von rund vier Millionen römischen Münzen der Ära von 155 vor Christus bis 2 nach Christus aus, die in Katalogen erfasst sind. Anhand von Prägezeit und -ort sowie dem Fundort der Geldstücke erstellten sie Karten zum Verbreitungsgebiet und zu Verbreitungswegen der Münzen, um daraus in Verbindung mit weiteren archäologischen und literarischen Quellen Einsichten über Geldumlauf und Warenströme zu gewinnen.

Demnach standen in der Stadt Rom Ausgaben für die öffentliche Verwaltung im Vordergrund, während die italienische Halbinsel einen von Handel und Produktion geprägten Wirtschaftsraum darstellte. Um diesen konsolidierten Kern lag eine Zone von schon länger eingegliederten Regionen, in denen sich Finanzaktivitäten auf Verwaltung, Wirtschaft und Militär gleichermaßen verteilten. Dahingegen überwogen in frisch eroberten Gebieten zunächst militärische Aufwendungen; diese wichen dann aber zivilen, administrativen und kommerziellen Aktivitäten.