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Pro Asyl: Erfolgsgeschichten von 2015 werden zu selten erzählt

Während die Bundesregierung ihren Kurs gegen geflüchtete Menschen massiv verschärft, stehen in Deutschland noch immer sehr viele Menschen für eine Willkommenskultur ein. Pro Asyl wird 40 Jahre alt.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl beklagt einen häufig zu negativen Blick auf die große Migrationsbewegung des Jahres 2015. "Heute lautet das Mantra von der politischen Mitte bis zur extremen Rechten: 'Nie wieder 2015.' Dabei war die Aufnahme so vieler Schutzsuchender eine große humanitäre und gesellschaftliche Leistung", sagte Geschäftsführer Karl Kopp der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zum 40. Jubiläum von Pro Asyl am 8. September.

"Viele der damals Geflüchteten sind längst angekommen", betonte Kopp. "Sie haben sich ein neues Leben aufgebaut, sind inzwischen deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger und ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Auch das ist 2015. Doch die Geschichten des Ankommens kommen in der öffentlichen Debatte viel zu selten vor."

Die Erfahrung aus der Zeit sei eindeutig, so der Pro-Asyl-Chef. "Wir müssen von Anfang an in das Ankommen investieren – in Sprache, Bildung, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe. Dann gelingt Integration. Diese einfache Erkenntnis geht in der gegenwärtigen Debatte zunehmend verloren." Bei den beiden großen Fluchtbewegungen der Jahre 2015 und 2022 habe vor allem die Zivilgesellschaft dafür gesorgt, dass die Aufnahme so vieler Menschen funktioniert habe: mit Unterkünften, Sprachkursen, Ausbildung und Arbeit. "Das war eine große gesellschaftliche Bewegung." Und sie sei bis heute stark.

"In den aufgeheizten Echokammern der Sozialen Medien wird dieses Engagement diffamiert", so Kopp. "Aber diejenigen, die permanent Angst schüren, Ressentiments bedienen und die Gesellschaft spalten, haben keine Antwort auf die Zukunft. Deutschland ist eine offene Einwanderungsgesellschaft." Man müsse sie und ihre Grundlagen – Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde – verteidigen.

Der größte Menschenrechtsskandal der europäischen Flüchtlingspolitik sei das Sterben auf den Fluchtrouten, sagte Kopp. "Allein im Mittelmeer sind seit 2014 mehr als 35.000 Tote und Vermisste dokumentiert. Die tatsächliche Zahl liegt noch wesentlich höher. Das ist zum Himmel schreiend. Europa lässt Menschen auf der Suche nach Schutz sterben – und hat sich an dieses Sterben beinahe gewöhnt. Genau das dürfen wir nicht hinnehmen. Wir brauchen sichere und legale Zugangswege, eine europäische Seenotrettung und ein Ende der Politik, die Schutzsuchende auf immer gefährlichere Routen zwingt."

Stattdessen wird der Flüchtlingsschutz laut Kopp in Deutschland und Europa in den Grundfesten angegriffen und Stück für Stück demontiert. Menschenrechte, die man als Antwort auf Verfolgung, Krieg und Barbarei erkämpft habe, würden relativiert und an Grenzen gebrochen.

Der Pro-Asyl-Chef weiter: "Wir halten es für fatal, dass Deutschland Abschiebungen nach Afghanistan durchsetzt und dafür das international geächtete Taliban-Regime immer weiter normalisiert." Die Taliban entrechteten Frauen und Mädchen systematisch, um sie dann auch aus Bildung, Arbeit und dem öffentlichen Leben auszuschließen. "Wer ernsthaft den Islamismus bekämpfen will, darf sich ausgerechnet dieses Regime nicht zum Partner seiner Abschiebepolitik machen."