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Historikerin: AfD-Erfolg lässt Frauenanteil in Parlamenten sinken

Rechte Parteien drängen vielerorts Frauen aus den Parlamenten. Schon die Anzahl der Kandidatinnen ist gering. Eine Historikerin kritisiert die Entwicklung scharf. Welche Konsequenzen sie hat und was Heike Specht fordert.

Der sinkende Anteil von Frauen in Landesparlamenten und im Bundestag lässt sich nach Ansicht der Historikerin Heike Specht auf die Wahlerfolge rechter Parteien zurückführen. "Die AfD hat bei Wahlen in der Vergangenheit zahlreiche Mandate gewonnen. Daher sinkt der Frauenanteil oder steigt nur noch wenig", sagte Specht, die sich in ihrem neuen Buch "Nicht mit uns!" mit der Gefahr eines Backlashs, also einer Rückkehr zu konservativen Wertevorstellungen, beschäftigt, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Nach am Dienstag veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes hat der Bayerische Landtag den geringsten Frauenanteil. Dort ist statistisch betrachtet nicht einmal jede vierte Abgeordnete (24,6 Prozent) weiblich. Grund dafür sei vor allem die CSU, die keine Frauenquote habe und viele Direktmandate hole, die oft an männliche Bewerber gingen, so Specht. Das gelte ebenfalls für die in Bayern starken Freien Wähler.

Sachsen hat mit 27,5 Prozent ebenfalls einen geringeren Frauenanteil als im Durchschnitt. "Auch dort sind CDU und AfD stark", so Specht.

An dritter Stelle liegt Sachsen-Anhalt mit 27,8 Prozent. Am Sonntag wird dort ein neuer Landtag gewählt. Der Frauenanteil wird den Zahlen zufolge schrumpfen, denn: Nur 26,9 Prozent der Mandatsbewerber sind nach Angaben des Statistischen Landesamtes weiblich. Auffällig ist: Nur 12,1 Prozent der AfD-Kandidatinnen sind weiblich; Prognosen zufolge liegt sie mit über 40 Prozent der Stimmen deutlich vorne.

Ebenfalls nur eine geringe Zahl an Kandidatinnen hat das BSW mit 14,3 Prozent. Bei der CDU ist jede vierte Kandidatin eine Frau.

Specht spricht von einem sich selbst verstärkenden Mechanismus. "Die Atmosphäre in männerdominierten Parlamenten wird rauer. Frauen erleben mehr Sexismus und Anfeindungen." Das halte andere Frauen von einer möglichen Kandidatur ab. Noch deutlicher sei das auf kommunaler Ebene. "Dort weiß man beispielsweise, wo Gemeindevertreterinnen wohnen."

Diese Einschüchterung sei genau das Ziel der AfD, so Specht. "Trotz Weidel an der Spitze ist das eine Männerpartei, die Frauen vor allem als Mütter und Hausfrauen sieht." Specht warnte vor Konsequenzen, "etwa bei Teilzeitarbeit oder dem Zugang zu Abtreibung".

Wer eine solche Entwicklung verhindern möchte, müsse Parteien mit verlässlicher Frauenquote wählen. Abseits von den Wahlen brauche es außerdem einen Zusammenhalt von Frauen und progressiven Männern. "Eine Möglichkeit ist ein jährlicher Streiktag." So sei schließlich einst das Frauenwahlrecht erkämpft worden.