Pianist Schiff: Beim Spielen sehe ich manchmal den Kölner Dom vor mir
Für Andras Schiff klingt Bach wie ein Kirchenraum. Das kann mitunter auch der Kölner Dom sein. Der aus Ungarn stammende Pianist erklärt zudem, wie er das Verhältnis von Kunst und Politik sieht.
München (KNA) Pianist Andras Schiff (72) verbindet Musik vor seinem inneren Auge oft mit Texten, Landschaften oder auch architektonischen Räumen wie Kirchen. "Bachfugen sind wie romanische Kirchen oder manche auch so monumental wie der Kölner Dom", sagte er im Interview der "Süddeutschen Zeitung".
Noten sehe er nicht vor sich, denn sein Gedächtnis funktioniere über Klänge und nicht visuell. "Ich sehe dann beim Spielen das Mittelschiff, die Seitenschiffe, die Säulen, das ist das Fundament", führte der Musiker aus. Hinzu kämen dekorative Elemente, die aber weniger wichtig seien.
Bei normalen Konzerten habe er nur ein bisschen Lampenfieber, so der Pianist weiter. "Ich brauche ein paar Minuten, um reinzukommen." Wenn er aber einmal im Spielen sei, dann sei Ruhe: "Wie im Kölner Dom."
Auf die Frage, wie politisch ein Künstler sein müsse, antwortete der aus Ungarn stammende Schiff: "Sehr politisch meiner Meinung nach." Schiff wird Anfang September das erste Mal seit 16 Jahren wieder in seiner Heimat auftreten. Man könne Kunst und Politik nicht trennen, fügte er hinzu. "Und ich verstehe die Menschen nicht, die glauben, das trennen zu können."
