Forscher: Milbe aus Asien könnte Bienenvölker in Europa gefährden
Eine aus Asien stammende Milbe könnte laut Forschern die Imkerei in Europa vor große Herausforderungen stellen. Der Parasit könne Bienenvölker massiv schwächen und breite sich rasch aus, so Wissenschaftler aus Stuttgart.
Stuttgart (KNA) Honigbienen sichern einen Großteil der landwirtschaftlichen Bestäubung - doch nun warnen Forscher vor einer neuerlichen Gefahr für die Bienen. Eine ursprünglich auf asiatische Riesenhonigbienen spezialisierte Milbe befalle inzwischen auch die Westliche Honigbiene und habe den Osten und Südosten Europas erreicht, erklärten Forscher der Universität Hohenheim am Dienstag in Stuttgart. Die Tropilaelaps-Milbe könne "die Entwicklung und das Überleben ganzer Bienenvölker massiv beeinträchtigen".
Nach Einschätzung eines internationalen Expertenteams könnte die Milbe Deutschland innerhalb der nächsten drei bis sieben Jahre erreichen. Neben der bekannten Varroa-Milbe könne dieser weitere Parasit künftig "die Imkerei in Europa vor große Herausforderungen stellen".
Die Tropilaelaps-Milbe war ursprünglich ausschließlich Parasit bei asiatischen Riesenhonigbienen. Vor mehr als 60 Jahren sei ihr aber der Sprung auf die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) gelungen. Seither habe sie ihr Verbreitungsgebiet kontinuierlich erweitert. Funde in Westasien und Osteuropa zeigten, dass sie inzwischen auch Regionen mit gemäßigtem Klima erreicht habe und dort überleben könne.
Die Leiterin der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim, Kirsten Traynor, erläuterte, Tropilaelaps befalle die Brut von Honigbienen und verursache schon bei der Larven- und Puppenentwicklung erhebliche Schäden. Die Folgen reichten von Missbildungen an Antennen, Flügeln und Beinen der Insekten über ein geringeres Körpergewicht bis hin zu einer eingeschränkten Flug- und Lernfähigkeit der schlüpfenden Bienen.
"Befallene Völker entwickeln sich deutlich schwächer, produzieren weniger Honig und weisen eine erhöhte Sterblichkeit sowohl bei der Brut als auch bei erwachsenen Tieren auf", so Traynor. Weil die Milbe auf erwachsenen Bienen kaum auffalle, bleibe sie oft lange unentdeckt.
Es sei wichtig, Überwachungs- und Bekämpfungsstrategien frühzeitig weiterzuentwickeln und Maßnahmen international abzustimmen, bevor sich die Milbe in weiteren Regionen etablieren könne. Warum sich die Milbe in den vergangenen Jahren so schnell ausgebreitet hat, sei noch nicht geklärt.
