Studie: Dürre beeinflusst Weizenpreis stärker als gedacht
Schädlinge, Düngemittelpreise, Krisen: Vieles hat Einfluss darauf, wie viel der Weizen kostet. Doch ein anderer Faktor hat ein viel größeres Gewicht, wie ein neuer Forschungsansatz zeigt.
Mainz (KNA) Die weltweiten Preisschwankungen bei Weizen stehen laut einer neuen Studie vor allem im Zusammenhang mit Wassermangel. "Ein Modell, das ausschließlich auf dem Ausmaß starker Wasserknappheit basiert, konnte 74 Prozent der jährlichen Schwankungen der globalen Weizenpreise zwischen 2000 und 2021 erklären", berichtete am Montag die Johannes Gutenberg-Universität Mainz über das Forschungsprojekt mit der Tschechischen Akademie der Wissenschaften. Die Ergebnisse seien auch auf die Entwicklung der Jahre 2022 bis 2024 anwendbar, obwohl deren Daten nicht in das Modell eingeflossen seien.
Untersuchungen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Preise hätten bisher häufig langfristige Veränderungen durchschnittlicher Ernteerträge in den Mittelpunkt gestellt, so die Uni. Das internationale Forschungsteam untersuchte hingegen, ob sich die Preise mit dem räumlichen Ausmaß von Wasserknappheit während der Wachstumsphase in Verbindung bringen lassen. Die Ergebnisse zeigten einen deutlichen Zusammenhang. "Mit fortschreitender Erderwärmung könnte dieser Zusammenhang weiter an Bedeutung gewinnen."
Dafür entwickelten die Forscher einen weltweit anwendbaren Indikator für starke Wasserknappheit. Dieser berücksichtigt sowohl kurzfristige als auch längere Dürren und konzentriert sich auf die vier Monate vor der Ernte - eine Phase, in der die Nutzpflanzen besonders empfindlich auf Wassermangel reagieren. Anschließend wurde bestimmt, wie stark die Anbauflächen von Weizen, Mais und Reis von solchen Ereignissen betroffen waren. Die Daten wurden mit den Rohstoffpreisen verglichen.
"Für Mais lassen sich Preisschwankungen von bis zu 40 Prozent durch starke Wasserknappheit erklären", so die Mitteilung. Für Reis hingegen fanden die Forschenden keinen vergleichbaren Zusammenhang.
Allerdings sind es nicht Dürren allein, die die Entwicklung der Weizenpreise beeinflussen, ergänzten die Wissenschaftler. Auch Energie- und Düngemittelkosten, Lagerbestände, Wechselkurse, handelspolitische Entscheidungen, Markterwartungen, das Aufkommen von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten sowie geopolitische Konflikte beeinflussten die Märkte. Die Ergebnisse der Studie machten jedoch ein klimabedingtes Signal sichtbar, das bislang nur schwer zu erfassen und zu quantifizieren gewesen sei: Großräumige Wasserknappheit in mehreren wichtigen Produktionsregionen könne sich über die Märkte auf den weltweiten Weizenpreis auswirken.
