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Fußballlegende Paul Breitner gibt in Latein noch immer Nachhilfe

Seit dem Besuch des Gymnasiums begeistert sich Paul Breitner für Latein und Altgriechisch. Auch in seiner Fußball-Karriere haben ihm die alten Sprachen geholfen. Selbst beim legendären WM-Endspiel 1974 in München.

Fußballlegende Paul Breitner hat seit seiner Schulzeit eine Leidenschaft für alte Sprachen. Bei Latein habe er von Anfang an gewusst, dass dies sein Ding sei, sagte Breitner, der am 5. September 75 Jahre alt wird, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) im Interview. Im Lateinischen sei er nach wie vor drin und gebe bis heute Nachhilfe.

Was Altgriechisch betreffe, so habe er bis vor zehn Jahren die Philosophen sogar noch im Original gelesen, auch wenn er über eine Stunde für eine Seite gebraucht habe, erzählte Breitner. "So ein Wort wie Logos, das vielleicht zehn Bedeutungen haben kann, will ich mir selber aus dem Zusammenhang erschließen, weil ich mit der vorliegenden Übersetzung oft nicht einverstanden bin. Dabei geht es um selbstständiges Denken."

Aus der Lektüre der antiken Denker sei für ihn als Lebensmotto die sokratisch-platonische Sorge um sich selbst zentral geworden, sagte der frühere Fußballprofi. Dazu komme das "Erkenne dich selbst", die Inschrift auf dem Apollo-Tempel in Delphi. "Ich versuche, stets aufs Neue zu erkennen: Wo bin ich, was mache ich, und was habe ich zu tun - für mich selber und in der Verantwortung für andere?"

Beim Helden Odysseus gefalle ihm, wie dieser Verantwortung für seine Leute übernehme, erläuterte Breitner. "Das ist vielleicht der wichtigste Punkt, den ich unbewusst abgespeichert habe, um ihn in einem Moment abzurufen, wo einem klar wird: Hoppala, genau darum geht es jetzt." Das könne im Zusammenhang mit einer Mannschaft stehen, mit der Familie oder mit einer Firma.

Genau dies sei auch der Fall gewesen, als er 1974 im Endspiel um die Fußball-Weltmeisterschaft im Münchner Olympiastadion einen Foulelfmeter gegen die mit 1:0 führenden Niederländer verwandelt habe. Damals habe er, Verantwortung übernommen, indem er sich den Ball gegriffen und selbst geschossen habe. "Das lief automatisch, nur so kann ich es mir erklären. Ich habe da eine Lücke von zwei Minuten." Deutschland wurde durch ein Tor von Gerd Müller am Ende Weltmeister.

Der im oberbayerischen Kolbermoor 1951 geborene Breitner spielte lange Jahre beim FC Bayern München und bei Real Madrid. Sein Abitur legte er am Chiemgaugymnasium in Traunstein ab. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er nicht nur Weltmeister, sondern 1972 auch Europameister. Breitner ist verheiratet und hat drei Kinder. Seit Jahren engagiert er sich sozial, unter anderem für die Münchner Tafel und als Schirmherr für die Mahlzeiten-Patenschaften der Malteser.