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Psychologe: Zu viele Verkehrsschilder machen aggressiv

Auf Deutschlands Straßen geht es seit zehn Jahren immer stressiger zu, sagt eine neue Studie. Ein Verkehrspsychologe schlägt nun eine überraschende Maßnahme zum Gegensteuern vor.

Den gestiegenen Aggressionspegel auf Deutschlands Straßen führt der Hannoveraner Verkehrspsychologe Karl-Friedrich Voss auch auf zu viele Schilder zurück. Viele Verkehrszeichen seien überflüssig, sagte Voss der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es sei daher wichtig, "den Schilderwald regelmäßig auszulichten".

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der niedergelassenen Verkehrspsychologen verwies auf das Dorf Bohmte im Landkreis Osnabrück. Dort gebe es seit mehr als zehn Jahren "überhaupt keine Verkehrsschilder mehr, nicht mal Fahrbahnmarkierungen". Was es nur noch gebe, sei die Regel "rechts vor links". Damit kämen alle klar, vom Lkw bis zur Fußgängerin, selbst auf der Bundesstraße, die durch den Ort führt.

Generell gelte für Verkehrsregeln das Prinzip "weniger ist mehr", sagte Voss. "Es kommt bei Vorschriften nicht auf die Menge an, sondern dass sie befolgt werden. Dazu müssen sie auch kontrolliert und durchgesetzt werden. Noch besser als Fremdkontrolle ist Selbstkontrolle."

Den eigenen Stresspegel im Auto senken könne, wer vorausschauend und auch vorausdenkend fahre, empfahl der Psychologe. Es komme darauf an, in anderen Verkehrsteilnehmern nicht von vornherein ein Ärgernis zu sehen. "Wir müssen alle irgendwie miteinander auskommen." Das funktioniere nicht über eine Anspruchshaltung, sondern über ein Wir-Gefühl.

Drängler mit überhöhtem Tempo durch demonstrativ regelkonformes Verhalten erziehen zu wollen, sei keine gute Idee, erläuterte der Verkehrspsychologe. "Das bringt nichts und gießt bei dem nur Öl ins Feuer. Der muss bremsen und steht ja schon unter Stress. Provokationen sollte man im Straßenverkehr generell unterlassen. Und einen angemessenen Umgang mit enttäuschten Erwartungen finden."

Voss äußerte sich zu den Ergebnissen einer Langzeitstudie zur Unfallforschung aus der Versicherungswirtschaft. Demnach nimmt aggressives Verhalten auf der Straße seit etwa zehn Jahren zu.