Kardinal Woelki: Gott hat mich durch die Krise getragen
Vor rund fünf Jahren hat die Missbrauchsaufarbeitung eine tiefe Vertrauenskrise im Erzbistum Köln ausgelöst. In einem Interview zum 70. Geburtstag blickt Kardinal Rainer Maria Woelki auf diese Zeit zurück.
Köln/Würzburg (KNA) Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki fühlt sich beim Rückblick auf die Vertrauenskrise im Erzbistum Köln von Gott getragen. "In der Rückschau war es für mich durch alle Untiefen hindurch die Erfahrung, dass der Herr da ist, dass er trägt und seine Hände über mich gehalten hat, auch wenn ich es in einem einzelnen Moment vielleicht gerade nicht verstehen kann", sagte Woelki der "Tagespost".
Es habe ihn bewegt, wie viele Menschen seinen Weg im Gebet begleitet hätten, fügte er hinzu: "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass ich aufgrund des Gebets so vieler Menschen diesen Weg gehen konnte."
Das Erzbistum Köln hatte 2020 ein angekündigtes Aufarbeitungsgutachten zu sexuellem Missbrauch zunächst zurückgehalten und dafür später ein anderes Gutachten veröffentlicht. Grund waren laut Erzbistum äußerungsrechtliche Bedenken. In der dadurch ausgelösten Vertrauenskrise erreichten die Austrittszahlen zeitweise nie gekannte Dimensionen. Eine weitere Folge waren rechtliche Auseinandersetzungen mit der "Bild"-Zeitung wegen deren Berichterstattung über die Vorgänge.
Im "Tagespost"-Interview anlässlich seines 70. Geburtstags am Dienstag sprach der Kardinal zudem über Evangelisierung - also über Projekte im Erzbistum Köln, die für den christlichen Glauben werben und zum Wachstum der Kirche beitragen sollen. So gebe es Überlegungen für ein "Zentrum für missionarisches Wachstum" im Erzbistum, das sowohl den Aufbau neuer Gemeinden als auch die "missionarische Erneuerung bestehender Pfarreien" unterstützen solle.
"Das wertet die wertvolle Arbeit in den bestehenden Gemeinden nicht ab, aber damit soll ein Gedanke von Papst Franziskus, den Papst Leo sich zu eigen gemacht hat - als missionarische Jünger unterwegs zu sein -, aufgegriffen werden", ergänzte Woelki: "Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass wir weniger werden. Der Daseinszweck der Kirche ist die Evangelisierung, die Mission. Wachstum gehört also zu unserer DNA!"
