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Wie in Finnland - Besseres Arbeitsklima mit Vertrauen und Transparenz

Dunkle Winter, 188.000 Seen und die glücklichsten Menschen der Welt: Das ist Finnland. Warum das Land nach Ansicht einer Autorin auch Vorbild für die Arbeitswelt sein kann - und was sich von den Mumins lernen lässt.

Mehr Vertrauen in die Belegschaft nach finnischem Vorbild kann nach Ansicht einer Autorin auch in deutschen Unternehmen das Arbeitsklima verbessern. "Vertrauen ist in Finnland eine selbstverständliche Grundlage. Es muss nicht erst verdient werden", so Helena Schneider, Dozentin für Personalmanagement und Autorin des Buches "The Nordic Working Mind". Es erscheint am 17. August im Verlag Haufe.

Vertrauen in Mitarbeitende sei deshalb entscheidend, "weil es die Grundlage dafür ist, dass Menschen eigenständig gute Entscheidungen treffen", sagt Schneider. "Ohne dieses Vertrauen bleibt Verantwortung nur auf dem Papier verteilt, aber im Alltag nicht wirklich getragen."

Begonnen wird damit nicht erst im Berufsleben: Bereits der Umgang mit Kindern sei sehr respektvoll und empathisch; ihre Haltung habe einen hohen Wert, sagt die Autorin, deren Mutter Finnin ist. "Der Mensch ist gut so, wie er ist."

In Unternehmen bedeutet Vertrauen laut Schneider außerdem, dass Expertenwissen nicht angezweifelt wird, sondern dass man sich darauf verlässt. In Deutschland wolle man Sicherheit eher durch Kontrolle erreichen. Andererseits würden finnische Angestellte auch die Kompetenz von Vorgesetzten nicht in Frage stellen.

Ein weiterer zentraler Wert sei Transparenz. "Teamleiter können zwar vor gewichtigen Entscheidungen nicht alles kommunizieren." Sie könnten die Belegschaft aber regelmäßig informieren - denn: "Was man nicht kennt, schafft Unsicherheit."

Auch hat Schneider, die nach eigenen Aussagen beide Arbeitskulturen kennt, in Finnland einen anderen Umgang mit eigenen Schwächen erlebt: "Man kennt seine Defizite." Das zeigt sich jährlich am 13. Oktober, wenn epäonnistumisen päivä ist. Am "Tag des Versagens" soll die Angst vor dem Scheitern abgebaut werden. Gleichzeitig gilt das alte Sprichwort: Aus Fehlern wird man klug.

Auch die Zufriedenheit der Mitarbeitenden sei wichtig. Neben strukturellen Voraussetzungen wird etwa eine kurze Pause in der Natur gefördert. Pausen würden nicht "als Schwäche, sondern als Teil von Arbeitsweisen verstanden". Eine identitätsstiftende Kultur sei zudem ein gemeinsamer, nach Geschlechtern getrennter Saunabesuch.

Sisu, ein weiterer typischer Wert, lässt sich hingegen nicht wörtlich übersetzen, meint etwa Willensstärke und Durchhaltevermögen. Mit dieser Grundhaltung sollen Menschen auch in widrigen Situationen handlungsfähig bleiben. Eine Eigenschaft, die gerade in Zeiten großer Umbrüche und Unsicherheit als wichtig gilt.

Gute Vorbilder sind dafür die Mumins, die die finnische Autorin Tove Jansson vor mehr als 80 Jahren erschuf. Die weißen Trollwesen, die an Nilpferde erinnern, erleben im Mumintal herausfordernde Situationen, etwa Einsamkeit und Weltuntergangsstimmung. Doch statt aufzugeben, lernen sie, mit Rückschlägen umzugehen, sagt Schneider. Ihr gefalle deshalb die Bezeichnung "Resilienzbotschafter".