Forscher Latif: Klimawandel sorgt für Wasserverlust
Waldbrände und Dürren in vielen Teilen Europas: Die ausgetrockneten Böden liefern dem Feuer genug Nahrung. Ein Klimaforscher verweist auf große Wasserverluste.
Bonn (KNA) Der Klimaforscher Mojib Latif warnt vor einer Zunahme von Hitzeereignissen in den kommenden Jahren. "Der Klimawandel begünstigt Hitzeperioden", sagte er der "Rheinischen Post" von Samstag. "Bei hohen Temperaturen steigt die Verdunstung stark an, weswegen wir global und auch in Deutschland einen Wasserverlust auf den Landflächen feststellen." Seit dem Beginn des Jahrtausends habe Deutschland insgesamt eine Menge verloren, die in etwa dem Bodenseewasser entspreche.
Der Kieler Ozeanograph, Klimaforscher und Hochschullehrer warnte vor einer anhaltend hohen Waldbrandgefahr in Deutschland. "Das liegt an der enormen Hitze, die wir seit Wochen haben und die Böden schnell austrocknen lässt. Geregnet hat es auch kaum." Latif fügte hinzu: "Am Wochenende wird sich die Lage im Westen jedoch etwas entspannen, weil Regen angesagt ist. In Teilen des Südens und Ostens wird die Waldbrandgefahr in den kommenden Tagen aber hoch bleiben."
Grünen-Chef Felix Banaszak warf der Bundesregierung "ignorante Realitätsverweigerung" in der Klimapolitik vor. "Die Klimakrise ist kein abstraktes Zukunftsszenario mehr, sondern bittere Realität", sagte er der Zeitung. "Wenn 2.000 Menschen in Nordrhein-Westfalen ihre Häuser verlassen müssen, weil ein Waldbrand ihre Ortschaft bedroht, muss das ein Weckruf sein", so der Grünen-Vorsitzende. "Die Bundesregierung allerdings betreibt weiterhin Klimapolitik nach dem Motto "Augen zu und durch".
Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) forderte unterdessen eine bessere Kontrolle von Verboten für offenes Feuer. "Wir haben Feuer, weil Leute sich falsch verhalten", sagte der Leiter des Verbandsarbeitskreises Waldbrand, Ulrich Cimolino, der "Rheinischen Post". "95 Prozent der brennenden Wälder entstehen durch menschlichen Einfluss: weil jemand im Wald raucht oder grillt beziehungsweise ein Lagerfeuer macht."
Frankreich mache es vor. "Wer bei Brandgefahr durch den Wald geht und mit einer Zigarette im Mund erwischt wird, muss direkt zahlen", so Cimolino. Ähnlich könne es in Deutschland laufen: "Die Strafen sind schon hoch genug. Man müsste es halt einfach kontrollieren."
Unterdessen verbot die Stadt Aachen wegen der akuten Brandgefahr offenes Feuer und Grillen auf Straßen und in Anlagen. Insbesondere das Entzünden von Feuer und Grills jeglicher Art (auch auf fest installierten Grillplätzen), das Entzünden von Kerzen oder von Kohle etwa für Wasserpfeifen sei untersagt. Auch sollte kein Glas in der Natur liegengelassen werden.
Die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden bat am Freitag Friedhofsbesucher darum, auf das Anzünden von Kerzen sowie auf jeden sorglosen Umgang mit offenem Feuer und Zigarettenstummeln auf den Friedhöfen zu verzichten.
