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Expertin: Hitze belastet besonders Kinder - Schutz für Schulen

Zu Unterrichtsbeginn schon 30 Grad im Klassenzimmer: Das ist hierzulande mittlerweile keine Seltenheit mehr. Warum die Hitze gerade für Schüler ein großes Problem ist und was Schulen aus Sicht einer Expertin tun müssen.

Hohe Temperaturen am Tag, kaum Abkühlung in der Nacht: Auch für Schülerinnen und Schüler ist diese aktuelle Mischung einer Expertin zufolge ein großes Problem. "Unser Gehirn hat bestimmte Temperaturen, bei denen es besonders gut arbeiten kann. Wenn es über 26 Grad hat, treten Konzentrationsschwierigkeiten auf", sagte Franziska Matthies-Wiesler vom Helmholtz-Zentrum in München der "Süddeutschen Zeitung".

Der Körper sei dann zu sehr damit beschäftigt, die Kerntemperatur stabil zu halten. "Und gerade Kinder sind gegenüber Hitze vulnerabel, weil sie bis zu einem Alter von etwa 14 Jahren noch nicht so gut schwitzen wie Erwachsene, um die Körpertemperatur auch bei Hitze reguliert zu halten", erklärte Matthies-Wiesler. Zugleich bewegten sie sich mehr und merkten oft nicht, wenn es zu heiß werde.

In Nächten, in denen es kaum abkühle, schliefen Kinder und Erwachsene schlechter und seien leistungsschwächer. Am Folgetag kämen sie dann in Klassenzimmer, in denen um 8.00 Uhr womöglich noch 30 Grad herrschten, sagte Matthies-Wiesler. "Ein Kind oder eine Lehrkraft mit Diabetes zum Beispiel muss bei Hitze noch mehr auf sich aufpassen als andere. Dazu fehlt oft noch Wissen."

Wenn eine Schule gebaut werde, müsse der Hitzeschutz noch stärker als bisher mitgedacht werden. "Dabei sollte man nuanciert vorgehen, je nachdem, wo eine Schule liegt, ob rundherum zum Beispiel alle Flächen versiegelt sind oder es Bäume gibt." Räume müssten auch über Nacht gut zu belüften sein. "Das geht aktuell an den allermeisten Schulen allein deshalb nicht, weil es keine Sicherheitsdienste gibt und Einbruchsgefahr besteht", so die Expertin.

Sie riet zu moderner, nachhaltiger Technik wie Wärmepumpen, die im Sommer kühlen und im Winter wärmen. "Aber eine herkömmliche Klimaanlage, die innen kühlt und nach außen Wärme abgibt, ist nicht zeitgemäß, selbst wenn sie in manchen Räumen kurzfristig vielleicht die beste Lösung ist."

An bestehenden Schulen könnten Stundenpläne geändert, Prüfungen am Morgen angesetzt und der Sportunterricht angepasst werden. Auch seien mehr Trinkpausen nötig. Es könne geprüft werden, wo neue Rollläden oder Beschattungsanlagen möglich seien oder wo Bäume gepflanzt werden könnten, so Matthies-Wiesler.

Oft fehle dem Schulträger jedoch das Geld. "Viele Kommunen, die Schulen finanzieren, haben Haushaltssperren. Da müssten Bund und Länder stärker unterstützen", forderte Matthies-Wiesler.