Kirche in Mexiko will Papst Fotos von Gewaltopfern überreichen
In Mexiko grassiert die Gewalt. Mehr als 130.000 Menschen gelten als vermisst. In ihrem Kampf gegen die organisierte Kriminalität erhoffen sich Betroffene auch Hilfe von Papst Leo XIV.
Mexiko-Stadt (KNA) Die katholische Kirche in Mexiko will Papst Leo XIV. eine Sammlung mit Namen und Fotos von Opfern der Gewalt im Land überreichen. Das Dokument soll anlässlich des "Internationalen Tages der Opfer des Verschwindenlassens" am 30. August vorgelegt werden. Einen Termin für die Übergabe gibt es bislang nicht. Mit der Aktion soll Leo XIV. die Gesichter hinter den Opferzahlen kennenlernen. Ihre Namen zu nennen, sei ein erster Schritt, um sie zu finden und ihr Schicksal nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, berichtete das private katholische Mediennetzwerk Aciprensa am Donnerstag.
Das Projekt "Un nombre, mil voces" ("Ein Name, tausend Stimmen") wurde vom Nationalen Dialog für den Frieden initiiert, einem kirchlichen Netzwerk, das angesichts der Gewalt in Mexiko verschiedene Organisationen und Initiativen zusammenführt. Die Sammlung soll Fotos und Angaben zu vermissten Menschen sowie eine Liste der in den vergangenen Jahren ermordeten Journalisten und Priester enthalten. Das Material soll auch den Vereinten Nationen vorgelegt werden.
Angehörige, Suchgruppen und die Bevölkerung sind aufgerufen, Namen, Fotos sowie Ort und Datum des Verschwindens ihrer Angehörigen einzureichen. Beiträge können bis zum 30. August über die sozialen Netzwerke des Dialogs oder per E-Mail übermittelt werden.
Die Initiative steht auch im Zusammenhang mit dem Mexiko-Besuch von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin Anfang August. Parolin traf sich am 5. August mit Vertretern des Nationalen Dialogs für den Frieden. Nach Angaben der Gewaltforscherin Elena Azaola Garrido interessierte sich der Kardinal besonders für die Lage der Familien von Menschen, die im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität verschwunden sind.
Im nationalen Register sind inzwischen mehr als 133.900 Menschen als verschwunden oder nicht auffindbar erfasst. Allein 2025 wurden zudem mehr als 20.600 neue Fälle von Verschwindenlassen und Nichtauffindbarkeit dokumentiert. Zugleich wurden in Mexiko im Juni 2026 durchschnittlich 45,4 vorsätzliche Tötungsdelikte pro Tag registriert; im ersten Halbjahr 2026 waren es durchschnittlich 49,7 pro Tag. Auch wenn die Behörden von einem "deutlichen Rückgang" gegenüber früheren Jahren sprechen, bleibt das Gewaltniveau insgesamt sehr hoch.
